21.12.13

The desolation of Smaug

Sooo… fast eine Woche nachdem ich ihn gesehen habe, endlich mal meine Meinung zu The Hobbit – The Desolation of Smaug. Wahrscheinlich wiederhole ich, was schon drei Millionen Menschen geschrieben haben, aber.

Ich fange wieder mit dem an, was ich toll fand.

1. Thranduil
Ein Wort: Elbisch. Outfit, Maske, Performance – alles passt zu meinem Bild vom Herrscher der Waldelben. Nachdem ich in LotR mit Haldir und Elrond ja nicht wirklich glücklich war, freue ich mich umso mehr, dass es jetzt so passt. Gut, mehr Party hätte sein dürfen. ;-) Aber sonst: Yay! (Ganz im Gegensatz zu seinem Sohn, den ich mindestens den halben Film durch optisch völlig misslungen fand. Was habt ihr da mit der Maske angestellt und WARUM?)

2. „… and the lake shall shine and burn“
DER Gänsehautmoment des Films, als dieses Gedicht rezitiert wird. Literally. Ich hab sooo Gänsehaut gehabt in dem Moment – leider war das auch der einzige im Film und der war ziemlich kurz. Wäre schön gewesen, da noch mit epischer Musik anzuknüpfen, aber das hat wohl nicht sollen sein. Trotzdem für sich genommen grandios. Erwähnte ich Gänsehaut?

3. Gandalf vs. Necromancer
Ich hab wenig Ahnung von CGI, wenn’s also schrottig ist, dann bin ich eben Schrott-Fan. Ich fand die Konfrontation sehr gut gelöst. Optisch eine gute Anknüpfung an Gandalfs Kampf mit dem Balrog in FotR. Der Necromancer/Saruron als das Schattenwesen, das sich zum Auge wandelt – für mich überzeugend und eine weit bessere Lösung, als wenn sie versucht hätten, einen „menschlichen“ bösen Zauberer darzustellen.

4. Brücken zu LotR und eine ernste Hobbit-Verfilmung
Wo ich’s schon ständig erwähne: Ich mag die Bezüge zur „alten“ Trilogie und finde nicht, dass sie an den Haaren herbeigezogen oder bemüht wirken, wie ich es anderweitig mal gelesen habe. Das ist die direkte Vorgeschichte, warum soll es da keine Bezüge geben? Und ästhetisch finde ich es auch gut, wenn man merkt, dass beides ineinander greift.
Die Kritik, dass der Hobbit ein Kinderbuch ist und die Verfilmung zu ernst und erwachsen, teile ich überhaupt nicht. Zum einen finde ich, dass der Hobbit längst nicht so sehr Kinderbuch ist, wie er dargestellt wird. Klar, vom Erzähler her und mit der Darstellung von Beorns Tieren etc. schon. Aber das „große Böse“ im Hintergrund deutet sich durchaus an und es kommt auch relativ viel Gewalt vor, bei der ich mir sage: Wenn man sich das ausmalt, was da beschrieben ist, kommt da garantiert kein Film mit FSK 6 bei raus. Dementsprechend gibt es auch mein Lob für Anpassungen, die den Film endgültig von kindlichen oder „albernen“ Szenen wegbringen. Die Darstellung von Beorn z.B., ohne Tiere und mit Hinweisen darauf, wie er zu dem Eigenbrötler wurde, der er ist. Daumen hoch!

5. Smaug
Was soll ich noch sagen? Großartig animiert und die Stimme von Benedict Cumberbatch. Ändert zwar nichts daran, dass mir der Film bzw. die ganzen Action-Sequenzen mit dem Drachen irgendwann zu lang wurden (vgl. unten), aber Smaug ist einfach großartig gelungen und seine erste Begegnung mit Bilbo ist eine *der* Szenen des Films.


Einiges hat mich aber auch gestört:

1. Länge und Schnitt
Gerade zum Ende hätte man da gut kürzen können. Noch ne Verfolgungs-Sequenz und noch eine… Da bin ich nicht genug Action-Fan, fürchte ich, gegen Ende hat der Film dadurch noch wieder verloren. Ich will gar nicht drüber nachdenken, dass es davon noch wieder ne Extended Edition geben wird…
Was mich aber fast noch mehr genervt hat, war das Gespringe zwischen den Schauplätzen. Von Bilbo zu Thorin zu Gandalf zu Kili zu Legolas zu Bilbo zu Gandalf – aaaaargh. Jaaaa, das mag alles mehr oder minder gleichzeitig ablaufen. Trotzdem ging es mir zu viel hin und her. Einiges hätte man sicher zusammenfassen und damit Sprünge teils vermeiden können.

2. Musik
Also… Entweder war ich grandios unaufmerksam, was das betrifft. Oder der Film hatte schlicht keine musikalischen Höhepunkte. Ich bin ja schon verabredet, ihn im Januar noch mal zu sehen (dann auf Deutsch), und werde noch mal drauf achten. Aber bisher hatte ich das Gefühl: Da ist nicht viel. Was mich doch ein wenig wundert, denn der 1. Teil reichte zwar nicht an LotR ran, war aber für sich genommen sehr gut.

3. Fehlende Emotionen
Eng verbunden mit 2. und wieder mit einem „Vielleicht liegt’s auch an mir, aber…“ Für mich hatte der Film relativ wenig wirklich emotionale Momente und lief hauptsächlich über Action und die Wirkung von Smaug. Das hat durchaus gereicht, um ihn fürs ein- bis zweimalige Sehen interessant zu machen, aber ich fürchte, dabei bleibt’s dann auch, wenn er mich beim zweiten Mal nicht noch überrascht. Schade.

4. Übertriebene Elben-Action
Wie übersetzt man „cringeworthy“ vernünftig? Der erste Auftritt von Legolas (und einen Moment später auch dem Rest der Elben) war echt – ürgs. Und so ging’s dann weiter. Der Film knüpft genau da an, wo TTT und vor allem RotK gnädigerweise aufgehört haben. Absolutes „Highlight“ war Legolas, wie er auf den in Fässern schwimmenden Zwergen balanciert. Oh, und nicht zu vergessen das Gesurfe auf – was war es dieses Mal? Egal. Gnaaaaarf. Das sind nicht die eleganten Elbenkrieger, die ich im Kopf habe. So gar nicht.


In keine der beiden Kategorien fällt der wohl umstrittenste Charakter des Films, Tauriel. Ich widme ihr einen eigenen Eintrag, damit das hier nicht zu lang wird.

Kommentare:

Die Herumtreiberin hat gesagt…

Hi!

Schön, hier auch mal wieder was zu lesen! :o)

Ich hab' mir gestern den Hobbit auch endlich angesehen und stimme dir im großen und ganzen zu, besonders aber bei 1./2. der Negativpunkte:

Der geniale erste Eindruck von Smaug hat meiner Meinung nach darunter gelitten, dass das alles soooo in die Länge gezogen wurde.
Und die Herumspringerei zwischen den Schauplätzen hat mich auch sehr genervt.

Musik hab ich so gut wie gar nicht wahrgenommen, nur an einer Stelle, dort leider negativ aufgefallen.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, dass ich mich nicht emotional angeholt und mitgenommen fühlte.

Oder es wird nach dem 2. Mal schauen besser. Zusammenfassung: Fühlte mich erschlagen und seltsam unberührt.

LG
Claudia

Die Herumtreiberin hat gesagt…

... ABgeholt. Emotional ABgeholt natürlich. Nicht angeholt. ;o)

Und weil ich schon noch mal hier bin: Damit kein falscher Eindruck entsteht - ich fand den Film insgesamt schon sehr beeindruckend, vor allem visuell. Vielleicht fast zu perfekt?

andy hat gesagt…

Ich jetzt auch. Also grade eben. In 3D und deutsch – und so es das Schicksal ansatzweise gut mit mir meint, war das der letzte 3D-Film, den ich jemals geguckt haben werd.

Zwar las ich deinen Post schon, nachdem er online ging, konnte mich aber an die genaue Kritik dann doch nicht mehr erinnern. Umso erschreckender, dass ich mit vielen deiner Punkte überinstimme: Gandalf vs. Necromancer fand ich auch gut gelöst; ernste Hobbit-Verfilmung fand ich auch so, das ist keine "Kinderbuch"-Verfilmung; Smaug hatte als Drache was (auch wenn ich die in GoT schöner von der Machart her finde). Länge/Schnitt und noch eine Action-Szene und und noch mehr Rumgewirbel, was aber nicht zum Überblick beiträgt; Musik – wenn da was war, dann kam drei Sekunden später wieder ein Schnitt um die Ecke udn weg war die Gelegenheit für gute, unkitschige (!) Filmmusik-Momente und direkt damit verbunden die Emotionsarmut; und schließlich die Elben-Action, die eher wirkte wie eine sorgfältig choreografierte Slapstick-Nummer aus einem Kungfu-Film.

Und dann…dieses…Love Triangle. Was bei Romeo und Julia, West Side story usw. usf. funktionieren mag, weil es da "front and center" ist und keine störende Ring-Story drumrum, wirkt hier genau andersrum: Wie das fünfte Rad am Wagen. Eigentlich stimme ich dir zu, dass Tauriel eine Tolkien-Figur ist – aber sie tut dann Dinge, die Tolkien ihr nie im Leben erlaubt hätte. Aus dem englischen Wikipedia-Artikel zu Christopher Tolkien: "He voiced sharper criticism in a 2012 interview with Le Monde: "They gutted the book, making an action film for 15 to 25-year-olds."" Er hatte wohl auch die selbe Meinung zum Hobbit.