21.12.13

Tauriel oder: :headdesk:

Kommen wir nun also zu Tauriel. Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust. :ugly: Ernsthaft, ich tue mich unglaublich schwer mit diesem Charakter. Weil er auf der einen Seite großartige Ansätze hat und mich auf der anderen Seite dazu bringt, den Kopf gegen die Wand zu hauen. Ich versuche mal, das zu sortieren.

Einerseits:

Tauriel ist eine starke Frauenfigur in einem sonst sehr männerdominierten Buch- und Filmkosmos. Zwar eine dazuerfundene, aber hey, bei den vielen Änderungen gegenüber dem Buch fällt das quasi nicht mehr ins Gewicht. (Wobei man sich schon fragen kann, warum nicht einfach ein paar Zwerge weiblich gemacht wurden, wenn’s nur darum geht. Ist ja eigentlich nicht so, dass der Film noch mehr Charaktere bräuchte. Egal.) Sie ist eine Elbin ganz im tolkienschen Sinne, schließlich schreibt er sehr ausdrücklich, dass männliche und weibliche Elben sich in Bezug auf Kraft, Geschicklichkeit etc. nicht deutlich unterscheiden. Soweit, so gut und bei grober Betrachtung sicherlich gerade für viele Teenie-Mädels eine ähnlich gute Identifikationsfigur wie Katniss aus den Hunger Games. (Edit: Immer vor der Annahme geschrieben, dass Mädchen/Frauen sich leichter mit Frauen identifizieren und es deshalb sinnvoll ist, eine weibliche Figur einzubauen. Eine Annahme, die ich selbst immer wieder bezweifle und über die man gerne mit mir diskutieren kann.)

Noch dazu finde ich einen Teil ihrer Rolle im Film sehr großartig. Sie bemüht sich um Verständigung und baut Brücken zwischen den Völkern. Nicht nur aufgrund der unsäglichen Liebesgeschichte (dazu gleich…), sondern wie mir scheint auch aufgrund der tiefen Überzeugung, dass die freien Völker Mittelerdes nur gemeinsam eine Chance gegen das heraufziehende Böse haben. Ihr Mut, Thranduil und Legolas hier offen zu widersprechen und ihre „Wir verbarrikadieren uns und warten ab“-Haltung anzugreifen, hat mich beeindruckt. Ebenso überhaupt ihr starkes Auftreten den beiden gegenüber, das mit jeder Geste zeigt, wie wenig sie sich sagen lässt.


Und andererseits:

*tief luft hol* Ehrlich, ich weiß kaum, wo ich anfangen soll. Ein Love Triangle. Ein Effing Love Triangle. Da erfinden sie eine neue, weibliche Identifikationsfigur und was tun sie mit ihr? Sie machen sie zum Love Interest von jemandem. Und weil das ja noch nicht genug zeigt, dass Frauen nur als Bezugsperson von Männern interessant sein können, machen sie gleich noch eine Dreiecksbeziehung draus, damit’s auch spannend ist. GAAAAAAAH.

Nicht nur, dass das sowieso schon ne saudumme Idee ist, die den starken und unabhängigen Charakter von Tauriel mit Füßen tritt. Die Tatsache, dass diese Dreiecksbeziehung ausgerechnet mit Legolas und Kili aufgebaut wird, untergräbt das Potential des Charas komplett. „Wie, die ist dafür, den Zwergen zu helfen? Ah, das macht sie bestimmt nur, weil sie in den einen verliebt ist.“ Jau. So schnell hat man die oben erwähnte Völkerverständigung auf Romantik reduziert. Kann ja nicht sein, dass Frauen weiter denken, ne? Man möchte brechen.

Und das ist leider noch nicht das Ende der Klischees. Gucken wir uns doch kurz mal an, was sie tut. Erstmal kämpft sie Seite an Seite mit Legolas. Okay. Dann wird Kili verwundet und sie rettet ihn in dieser unglaublichen Klischee-Szene. (Seriously, hat irgendjemand *nicht* erwartet, dass ausgerechnet sie um die Ecke kommt und den Ork daran hindert, ihn zu töten?) Schon nicht mehr so okay. Dann sind Legolas und sie in Seestadt, entdecken den verwundeten Kili – und sie bleibt bei ihm, um zu heilen, während der Mann Orks jagen geht. ER kämpft, SIE heilt die/den Verletzten. In der Geschichte logisch, der Liebe wegen. Aber ich kann nicht übersehen, wie sehr hier das jahrhundertealte Klischee in der Rollenaufteilung durchkommt. Dermaßen NICHT okay. Ich meine – ich steh komplett auf h/c und dieser Erzählstrang wird meinem inneren Fangirl quasi auf dem Silbertablett serviert. Aber ich kann mir nicht helfen; sobald ich zwei Sekunden drüber nachdenke, krieg ich Anfälle.

 Ja. Ich könnte mich noch länger drüber auslassen, aber ich belasse es mal dabei, sonst bin ich bis Weihnachten nicht wieder friedlich und besinnlich. ;-)

The desolation of Smaug

Sooo… fast eine Woche nachdem ich ihn gesehen habe, endlich mal meine Meinung zu The Hobbit – The Desolation of Smaug. Wahrscheinlich wiederhole ich, was schon drei Millionen Menschen geschrieben haben, aber.

Ich fange wieder mit dem an, was ich toll fand.

1. Thranduil
Ein Wort: Elbisch. Outfit, Maske, Performance – alles passt zu meinem Bild vom Herrscher der Waldelben. Nachdem ich in LotR mit Haldir und Elrond ja nicht wirklich glücklich war, freue ich mich umso mehr, dass es jetzt so passt. Gut, mehr Party hätte sein dürfen. ;-) Aber sonst: Yay! (Ganz im Gegensatz zu seinem Sohn, den ich mindestens den halben Film durch optisch völlig misslungen fand. Was habt ihr da mit der Maske angestellt und WARUM?)

2. „… and the lake shall shine and burn“
DER Gänsehautmoment des Films, als dieses Gedicht rezitiert wird. Literally. Ich hab sooo Gänsehaut gehabt in dem Moment – leider war das auch der einzige im Film und der war ziemlich kurz. Wäre schön gewesen, da noch mit epischer Musik anzuknüpfen, aber das hat wohl nicht sollen sein. Trotzdem für sich genommen grandios. Erwähnte ich Gänsehaut?

3. Gandalf vs. Necromancer
Ich hab wenig Ahnung von CGI, wenn’s also schrottig ist, dann bin ich eben Schrott-Fan. Ich fand die Konfrontation sehr gut gelöst. Optisch eine gute Anknüpfung an Gandalfs Kampf mit dem Balrog in FotR. Der Necromancer/Saruron als das Schattenwesen, das sich zum Auge wandelt – für mich überzeugend und eine weit bessere Lösung, als wenn sie versucht hätten, einen „menschlichen“ bösen Zauberer darzustellen.

4. Brücken zu LotR und eine ernste Hobbit-Verfilmung
Wo ich’s schon ständig erwähne: Ich mag die Bezüge zur „alten“ Trilogie und finde nicht, dass sie an den Haaren herbeigezogen oder bemüht wirken, wie ich es anderweitig mal gelesen habe. Das ist die direkte Vorgeschichte, warum soll es da keine Bezüge geben? Und ästhetisch finde ich es auch gut, wenn man merkt, dass beides ineinander greift.
Die Kritik, dass der Hobbit ein Kinderbuch ist und die Verfilmung zu ernst und erwachsen, teile ich überhaupt nicht. Zum einen finde ich, dass der Hobbit längst nicht so sehr Kinderbuch ist, wie er dargestellt wird. Klar, vom Erzähler her und mit der Darstellung von Beorns Tieren etc. schon. Aber das „große Böse“ im Hintergrund deutet sich durchaus an und es kommt auch relativ viel Gewalt vor, bei der ich mir sage: Wenn man sich das ausmalt, was da beschrieben ist, kommt da garantiert kein Film mit FSK 6 bei raus. Dementsprechend gibt es auch mein Lob für Anpassungen, die den Film endgültig von kindlichen oder „albernen“ Szenen wegbringen. Die Darstellung von Beorn z.B., ohne Tiere und mit Hinweisen darauf, wie er zu dem Eigenbrötler wurde, der er ist. Daumen hoch!

5. Smaug
Was soll ich noch sagen? Großartig animiert und die Stimme von Benedict Cumberbatch. Ändert zwar nichts daran, dass mir der Film bzw. die ganzen Action-Sequenzen mit dem Drachen irgendwann zu lang wurden (vgl. unten), aber Smaug ist einfach großartig gelungen und seine erste Begegnung mit Bilbo ist eine *der* Szenen des Films.


Einiges hat mich aber auch gestört:

1. Länge und Schnitt
Gerade zum Ende hätte man da gut kürzen können. Noch ne Verfolgungs-Sequenz und noch eine… Da bin ich nicht genug Action-Fan, fürchte ich, gegen Ende hat der Film dadurch noch wieder verloren. Ich will gar nicht drüber nachdenken, dass es davon noch wieder ne Extended Edition geben wird…
Was mich aber fast noch mehr genervt hat, war das Gespringe zwischen den Schauplätzen. Von Bilbo zu Thorin zu Gandalf zu Kili zu Legolas zu Bilbo zu Gandalf – aaaaargh. Jaaaa, das mag alles mehr oder minder gleichzeitig ablaufen. Trotzdem ging es mir zu viel hin und her. Einiges hätte man sicher zusammenfassen und damit Sprünge teils vermeiden können.

2. Musik
Also… Entweder war ich grandios unaufmerksam, was das betrifft. Oder der Film hatte schlicht keine musikalischen Höhepunkte. Ich bin ja schon verabredet, ihn im Januar noch mal zu sehen (dann auf Deutsch), und werde noch mal drauf achten. Aber bisher hatte ich das Gefühl: Da ist nicht viel. Was mich doch ein wenig wundert, denn der 1. Teil reichte zwar nicht an LotR ran, war aber für sich genommen sehr gut.

3. Fehlende Emotionen
Eng verbunden mit 2. und wieder mit einem „Vielleicht liegt’s auch an mir, aber…“ Für mich hatte der Film relativ wenig wirklich emotionale Momente und lief hauptsächlich über Action und die Wirkung von Smaug. Das hat durchaus gereicht, um ihn fürs ein- bis zweimalige Sehen interessant zu machen, aber ich fürchte, dabei bleibt’s dann auch, wenn er mich beim zweiten Mal nicht noch überrascht. Schade.

4. Übertriebene Elben-Action
Wie übersetzt man „cringeworthy“ vernünftig? Der erste Auftritt von Legolas (und einen Moment später auch dem Rest der Elben) war echt – ürgs. Und so ging’s dann weiter. Der Film knüpft genau da an, wo TTT und vor allem RotK gnädigerweise aufgehört haben. Absolutes „Highlight“ war Legolas, wie er auf den in Fässern schwimmenden Zwergen balanciert. Oh, und nicht zu vergessen das Gesurfe auf – was war es dieses Mal? Egal. Gnaaaaarf. Das sind nicht die eleganten Elbenkrieger, die ich im Kopf habe. So gar nicht.


In keine der beiden Kategorien fällt der wohl umstrittenste Charakter des Films, Tauriel. Ich widme ihr einen eigenen Eintrag, damit das hier nicht zu lang wird.