11.09.11

The Town We Didn't Love So Well

Und dann ist es da, das Urlaubsende. Um 7 Uhr klingelt der Wecker, nach gemeinsamem Packen und Aufräumen machen wir uns gegen halb zehn auf den Weg. Tschüss, Cottage und Küste und Castle. *wink*

Heute sind die Autos etwas ungleicher aufgeteilt: Nimiel und Tim starten gleich durch nach Edinburgh, um die Stadt noch etwas zu erkunden, bevor sie morgen nach London fliegen. Der Rest setzt Meta und mich in Glasgow ab, bevor er auch nach Edinburgh weiterfährt. Glasgow deswegen, weil’s sonntags keine Flüge von Edinburgh nach Berlin gibt. Curse you, Ryanair.

Auf dem Weg machen wir noch ein paar Fotostopps im Glen Coe und eine Mittagspause am Loch Lomond, wo wir ungefähr zwanzig Minuten brauchen, bis wir nach langem Im-Kreis-Fahren einen Parkplatz finden. Offenbar ist gerade halb Schottland auf Wochenend-Ausflug…


Wasserfall im Glen Coe

Loch Lomond :ohrwurm:

Gegen halb drei sind wir in Glasgow, das Navi kämpft ein wenig mit den übereinander liegenden Straßen-Ebenen, aber letzten Endes finden wir das Hostel. Ein heruntergekommenes Haus in einer ebensolchen Straße. Vor der Tür ein Hund, drinnen ein Mann mit Kopfverband. Sehr … vertrauenserweckend. Das Hostel entspricht diesem ersten Eindruck ziemlich genau und verteilt auf seine drei Etagen genau drei Duschen und zwei Toiletten – von denen natürlich genau auf unserer Etage keine. Halleluja. Außerdem ist unser Zimmer winzig, enthält keine Möbel außerdem Betten (dafür wär auch kein Platz) und liegt hinter einem 15er(?)-Zimmer, durch das wir jedes Mal durchlaufen, wenn wir rein oder raus wollen. Meine Schlüssel passen auch eher so nach der „Mal ja, mal nein“-Logik. Yay?

Wir verlassen das Gebäude eher fluchtartig und bummeln durch die Stadt, um festzustellen, dass die auch nicht viel besser ist. Für Architektur-Interessierte sicher interessant, weil wilder Stilmix. Aber sonst? Immerhin, die Kathedrale ist hübsch. Laut Beschilderung die einzige auf schottischem Festland, die es aus dem Mittelalter unbeschadet durch die Gründung der anglikanischen Kirche geschafft hat. Anschließend geben wir uns noch das älteste Haus Glasgows, das wir hauptsächlich dazu nutzen, um aus dem Fenster die Hochzeitsgesellschaft im Innenhof zu bestaunen. Damen mit Hütchen und Herren im Kilt. Thii!

Die Kathedrale und ein paar witzige Laternen.

Abends landen wir erstmal im Irish Pub, was in Schottland ja auch irgendwie ironisch ist. Immerhin kann man da aber gemütlich sitzen und die Leute auf der Straße beobachten. Und lästern, viel davon. Großartig. Auf dem Weg zurück zum Hostel drehen wir noch eine Schleife durch die Nachbarstraßen, weil – eigentlich wollen wir ja noch gar nicht zurück in dieses seltsame Hostel. Zu unserem Glück entdecken wir den nächsten Pub, The Griffin. Dort versacken wir noch einmal gepflegt und unterhalten uns zwischendrin mit einem Paar mittleren Alters, das begeistert von einer Tango-Show kommt. Nach zwei Cider und einem Whiskey habe ich allerdings das Gefühl, dass sich die Hälfte meines Englisch-Wissens gerade auf Nimmerwiedersehen verabschiedet hat. Ich konnte doch mal Vergangenheitsformen, Himmel noch eins! Meta hingegen spricht nach dem mittlerweile siebten oder achten Guinness hemmungslos und fließend Englisch, oder redet zumindest ohne Punkt und Komma auf die beiden ein. Irgendwas mache ich falsch.

Gegen elf machen wir uns doch auf den Weg zum Hostel, ein wenig Schlaf sollte ja doch drin sein. Hätten wir uns allerdings auch sparen können, vor dem Eingang (und unserem Zimmerfenster) macht der Rest der Gäste die Nacht zum Tag. Hnngs.

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass das Frühstück, das man in einer Nische neben der Rezeption in sich reinschaufeln kann, ziemlich genau dem sonstigen Hostel-Eindruck entspricht. Und verzichten lieber. Weg hier, ab in den Bus zum Flughafen. Der fährt Schleifen durch ganz Glasgow, was uns aber nicht unlieb ist. Wir haben eh noch Zeit tot zu schlagen. Sogar mehr als geplant, wie wir am Flughafen sehen: Verspätung. Erwähnte ich das wachsende Hnnngs? Irgendwann fliegen wir dann aber endlich. Dieses Mal deutlich weniger entspannt als am Anfang des Urlaubs, aber am Ende landen wir heil und ganz in Berlin, wo wir von tief hängenden Wolken und Regen empfangen werden. Kann ich bitte wieder zurück? Sonne und Highlands und so? Miieh.

"Ende vom Lied" ist jedenfalls die Erkenntnis, dass ich auf jeden Fall noch mal nen schottischen Fernwanderweg laufen will, bevor ich mich zu alt und bequem dazu fühle. Wenn's geht ohne Zelt, um das Gepäck nicht zu riesig werden zu lassen. Aber dann - ja. Entweder den West Highland Way, weil die Landschaft echt schön ist. Leider ist der halt auch sehr überlaufen, zumindest in der Sommersaison. Oder halt was anderes in der Gegend, ein paar schöne haben meine Wanderführer ja schon drin. Hmmmm...

Erinnerungen an Schottland.
Hinten: meine Lieblings-Stirfry-Sauce von Wagamama; drei Fläschchen Vanille-Essenz, die mir Nimiel empfohlen hat; Whiskey-Fudge; Lady-Grey-Tee; ein Sonnenhut.
Mitte: Ein Kirsch-Flapjack; zwei Packungen Frucht-Zeug in Joghurt-Hülle; ein paar Teesorten und Karamell-Bonbons.
Vorne: Ein auf alt getrimmtes Fotoalbum, das ich mit Larp-, Tanz- und Mittelalterfotos bestücken werde.

Tag 9: Erkenntnisse einer Reisegruppe

Heute geht es noch mal zur Nordseite der Halbinsel zum Tioram Castle, das dort auf einer kleinen Erhebung im Meer steht, bei Ebbe aber zu Fuß zu erreichen ist. Wir bestaunen neben dem Blick aufs Castle erstmal die diversen und Warnschilder. OMG, bloß nicht in die Nähe der Ruine gehen, das Ding könnte bei einem zu scharfen Blick einstürzen. Was diverse Touris nicht davon abhält, drumrum zu laufen und zu gucken. Uns auch nicht.

Castle, Komma, ruinöses.

Castle-Ruine von innen, todesmutig fotografiert von Alca

Nachdem wir das Castle also von allen Seiten bestaunt haben und noch ein bisschen am Strand rumgetrödelt haben, machen wir uns auf die heutige Wanderung. Plan ist, an der Küste lang zu wandern und dann zu einem Rundweg abzubiegen, der von einem Steinhaufen markiert sein soll. Die restliche Beschreibung ist eher … vage, und das ist noch beschönigend. Mal sehen, ob wir das finden.

Der Weg an der Küste ist großartig. Es geht einige Meter über dem Wasser entlang, gerne tatsächlich genau an der Abbruchkante. Alternativ einige Meter davon entfernt über Stock und Stein und halb zugewachsene Pfade. Ich liebe ja solche Wege und bin völlig hin und weg. Den anderen scheint es ebenso zu gehen. Whee!

User am Abgrund, fotografiert von Meta (oben) und mir


Nach einer Weile kommen wir tatsächlich an einen Steinhaufen, neben dem ein winziger, kaum erkennbarer Pfad ins Moor abbiegt. Das leider nach dem Regen gestern ziemlich, nun ja, moorig ist. Nach einem kurzen Test ist klar: Da kommen wir nur nass und dreckig durch. Was an sich nicht schlimm wäre, aber heute ist der letzte Tag und nasse, dreckige Klamotten für den Heim- bzw. Weiterflug zu packen ist Nervkram, der nicht sein muss. Wir wandern den Küstenpfad noch ein Stück weiter und drehen dann einfach um. Der Weg ist so klasse, den kann man ruhig hin und zurück laufen.

(Foto von Alca)

Auf dem Rückweg gönnen wir uns in einem kleinen Lädchen noch ein Eis, dann beginnt das große Packen. Ich schaffe es nur mit viel Mühe und Gefluche, meinen Kram wieder in den Koffer zu quetschen – warum auch immer. Sooo viel hab ich doch jetzt auch nicht geshoppt im Urlaub. Ich meine – wann und wo denn auch? Ich erkenne, dass ich beim nächsten Mal vielleicht einfach weniger mitnehmen sollte. Etwa die Hälfte der Oberteile nehme ich ungetragen mit zurück… Irgendwann bin ich jedenfalls glücklich fertig und klettere mit Alca noch ein wenig an der Küste herum. Die Flut kommt heute um einiges höher als an den anderen Tagen und wir sind fasziniert von der Stelle, an der sich das steigende Salzwasser und der Bachlauf treffen. Plötzlich wimmelt es dort von Getier im Wasser: Krebse, Garnelen, Mini-Plattfische. Wo kommt ihr denn plötzlich alle her?

Heute Abend gibt es ausnahmsweise nichts Überbackenes, wir grillen. Allerdings unter anderem Käse. *g* Dabei trifft uns leider recht schnell die Erkenntnis des Urlaubs: Steinkohle eignet sich echt nicht zum Grillen. Leider gibt der Schuppen im Garten nichts anderes her. Hngs. Satt werden wir trotzdem alle und die Beilagen schmecken sogar lecker. :ugly: Gegen Ende findet der Grillabend ein abruptes Ende, als Midges die Herren am Grill überfallen. Wo auch immer die jetzt plötzlich herkommen, nachdem sie den ganzen Urlaub nicht zu sehen waren. Jetzt sind es umso mehr und wir verbarrikadieren uns für den Rest des Abends im Cottage.

Was bisher sonst noch geschah

Die letzten zweieinhalb Urlaubstage kommen noch, ich sitz schon dran. ;-) Vorher aber mal kurz ein Überblick, was mich die letzten zwei Wochen abgehalten hat bzw. halt sonst noch so passiert ist.

  • Training, mehr Training, und noch ein bisschen Sondertraining
  • Gestern der erste von drei Auftritten, den wir nach einer ordnungsgemäß grottigen Generalprobe echt gut hinbekommen haben [/eigenlob]*
  • Unterschrift unterm Anschluss-Arbeitsvertrag. Unbefristet! :D Planungssicherheit! :D
  • Stoffmärkte diverser Art – ich hab endlich fast alles fürs nächste historische Kleid zusammen und kann anfangen mit Schneidern. Yay!
  • Angefangen, „A Game of Thrones“ zu gucken. OMG. Die Verfilmung ist tatsächlich noch gelungener, als ich zu hoffen gewagt habe. :fangirl:


*Erkenntnis des Tages: Der Vorteil beim Ceili ist, dass man jemanden an der Hand hat, der im Zweifelsfall stützen kann. Zum Beispiel, wenn man nach dem Sprung halb auf dem Sockel der Absperrung (Straßenfest…) landet und das Bein mal von einer Sekunde zur nächsten taub und kraftlos wird. Ein Hoch auf Y., die mich die nächsten Schritte einfach mitgeschleift hat. Ohne sie hätte ich da sehr dekorativ aufm Asphalt gesessen.