23.03.11

Black Swan

Ähäm. Ich bin da noch nen Eintrag schuldig, merke ich gerade. Und zwar meine Meinung zu „Black Swan“.

Um das zuerst und ganz deutlich klarzustellen: Ich fand den Film NICHT schlecht. Ganz und gar nicht. Die Grundidee, der Schwanensee-Geschichte mehr Tiefe zu geben und gleichzeitig ein Psychodrama draus zu machen, finde ich super. Viele Details sind wahnsinnig liebevoll ausgedacht und umgesetzt. Natalie Portman und überhaupt der gesamte Cast haben brilliant gespielt und vor allem auch getanzt, der Film hatte eine wahnsinnig dichte Atmosphäre, tolle Musik und grandiose Bilder, auch dank der gelungenen Kostüme.

Aber, und das ist halt ein großes „Aber“ der Film hätte unter diesen Voraussetzungen noch besser sein können, wenn. Zumindest in meinen Augen – für einen sehr, sehr großen Teil des Publikums scheint er ja genau richtig zu funktionieren. Aber für mich wirkt vieles wie gewollt und nicht gekonnt. Oder schlicht und ergreifend platt. Und bevor der letzte aufhört zu lesen: Butter bei die Fische. (Umkehrschluss: Ab hier folgen Details zum Film und somit Spoiler, falls ihr ihn nicht kennt.)

Ich habe häufig die Aussage gelesen und gehört, man wisse nach zwei Minuten, worauf die Geschichte hinausläuft – und das Geniale am Film sei, dass er es schaffe, trotzdem die Spannung zu halten. Tja. Das war schon mal ein Punkt, der für mich eben nicht funktioniert hat. Für mich war spätestens bei der Nacherzählung der Schwanensee-Story klar, dass Nina am Ende stirbt. Im Anschluss daran haben andere Aspekte es geschafft, Spannung zu erzeugen – aber die Grundidee war durch.

Die zweite Grundlinie des Films ist Ninas Abgleiten in die Schizophrenie (oder was immer das jetzt genau war, ich bin keine Psychologin). Ich mag Filme, bei denen ich rätsele, was Wirklichkeit ist und was nicht. Sehr sogar. Aber ich will dann auch eine Auflösung haben und die muss mich überzeugen. Hier lag für mich das hauptsächliche Spannungsmoment des Films: Welche Teile ihrer Umgebung bildet Nina sich ein, welche sind real? Leider hat der Film es verpasst, seine Chancen zu nutzen. Ich war gegen Mitte bis Ende des Films ziemlich überzeugt davon, dass Ninas Mutter und Lily beide nur in Ninas Vorstellung existieren – quasi die Verkörperung ihrer zwei Seiten, des weißen und des schwarzen Schwans, mit denen sie sich auseinander setzt. Hätte ich einen echt guten Dreh gefunden, und war echt überrascht, als Lily nach ihrer „Ermordung“ vor Ninas Tür stand. Aber dann? Am Ende lässt der Film völlig offen, was (abgesehen von der Sexszene mit Lily) nur Einbildung war. Hat Nina sich nur die Federn eingebildet oder insgesamt die Hautprobleme? (Okay, dass ihre Mutter sie darauf anspricht, deutet auf ersteres hin – wenn das nicht nur eine weitere Manipulation von ihr ist.) Was ist in der Disconacht wirklich passiert? Hat Ninas Mutter wirklich auf dem Stuhl neben ihrem Bett gesessen? Der Film gibt keinerlei Erklärung, trifft keine Entscheidung. Das kann ich nur damit erklären, dass es kein logisches Gesamtkonzept gegeben hat, was genau Nina sich einbildet und warum. Und so was wurmt mich, gerade wenn es eine so passende Lösung gegeben hätte. Das war der Moment, wo ich dem Film endgültig hätte an die Gurgel gehen können, wenn Filme denn eine hätten.

Mit Ninas Mutter und Lily bin ich gleich beim nächsten Punkt, der Film hat mich schließlich schon lange vor dem unrunden Ende aufgeregt: Schwarz-Weiß-Malerei. Klischees der übelsten Sorge. Das labile Ballerina-Mädchen, das (zwangsweise?) im rosa Püppchenzimmer wohnt. Und natürlich ständig hungert bzw. über der Kloschüssel hängt. Die manipulative Über-Mutter, die das Kind drillt, damit es ihre eigene verpasste Karriere nachholt. Die abgehalfterte Primaballerina, die sich an ihrer Nachfolgerin rächen will. Der sexistische Arsch von Trainer. Und Lily als sexy Tänzerin, die alle ohne Rücksicht auf Verluste verführt und umgarnt. Klischee, Klischee, Klischee. Keine kreative Idee, nirgends. Um es mit einem Zitat zu sagen: Man möchte brechen. Wenn sich das wie oben beschrieben aufgelöst hätte, wäre die Sache für mich in Ordnung – Ninas schwarze und weiße Seite dürfen bzw. müssen schwarz-weiß und stereotyp sein. Aber wenn das nicht so ist, bringen mich derartig ausgelutschte Klischees zum Würgen.

Oh, und um das auch noch aufzugreifen, wo ich den sexistischen Trainer-Arsch schon erwähnt habe: Ich habe mehrfach die Meinung gelesen, der Film sei so gekonnt subtil erotisch. Die „Einzelstunde“ von Nina und ihrem Trainer, in dem er sie dazu bringen will, den schwarzen Schwan verführerischer zu tanzen, sei dabei besonders großartig. WTF? Wart ihr in nem anderen Film? Alles, was ich gesehen habe, war zum einen extrem platt und zum zweiten extrem einseitig. Gerade die Trainings-Szene und vorher das Gespräch in seiner Wohnung, wo er sie über ihr Privatleben ausfragt. Geht’s noch übergriffiger? Überhaupt: Es gibt keine Figur im Film, die nicht mit Ninas Sexualität zu tun hat – die Mutter, die sie unterdrückt, der Trainer, der sie für seine Zwecke einsetzen will, Lily, die sie herausfordert. Bis hin zu dem Kerl in der U-Bahn, der sie belästigt. Nur Nina selbst – die hat dabei offenbar überhaupt nichts zu sagen. Wenn man das vernünftig zum Thema gemacht hätte – sicherlich ein großartiger (Neben-)Schauplatz für die Handlung, zumal es sich konsequent durch den Film zieht. Aber so „unverarbeitet“ bleibt für mich nichts davon außer einem massiv unguten Gefühl, das in keiner Weise aufgelöst wird.

Ich denke, damit habe ich meine Haupt-Anliegen durch. Kleinere Dinge gäbe es sicherlich noch viele. Das unglaublich dumme Ende (zwei Tänze mit einer tödlichen Verletzung, und die Sache fängt erst nach dem Sprung an zu bluten? WTF?). Die Tatsache, dass der Handlungsstrang mit der alternden Primaballerina im Krankenhaus überflüssig war und nicht aufgelöst wurde. Am Ende war immer noch unklar, ob sie absichtlich angefahren wurde und ob das was mit Nina zu tun hat. Oder was das Detail mit ihrem Lippenstift soll, den Nina einsteckt und dann zurückbringt.

Ich weiß nicht, ob ich mich vielleicht hauptsächlich deshalb aufrege, weil der Film keine klaren Antworten gibt – und das könnte ja durchaus gewollt sein. Ich sehe nur nicht, was er damit erreichen wollen sollte. Wenn Filme Fragen aufwerfen und offen lassen, ist das prinzipiell okay – wenn es relevante Fragen sind und nicht einfach Handlungslöcher oder -stränge, die am Ende lose in der Luft hängen. Und es sind ja nicht nur offene Fragen, sondern auch Plattheiten. Und daher bleibt mein Fazit: Ärgerlich. So viel Potenzial, und dann so unvollkommen genutzt. Schade.

20.03.11

Zappenduster

Kennt ihr das Gefühl, von Haushaltsgegenständen gehasst zu werden? Ich kannte es bisher nicht, aber spätestens seit heute bin ich sicher: Meine Deckenleuchte hat es auf mich abgesehen. Ich hab es ja schon länger geahnt, weil im regelmäßigen zwei-bis-drei-Wochen-Rhythmus eine von den drei Birnen durchbrannte. Und fast jedes Mal die in der gleichen Fassung. Einmal ist sogar die Sicherung rausgeflogen. Aber offenbar war ich davon nicht angemessen beeindruckt, also hat sie sich für heute Abend etwas Neues einfallen lassen.
Ich komme also nichtsahnend aus dem Bad, öffne die Tür zum Wohn-/Schlaf-/Alleszimmer, lege den Lichtschalter um - ein Knall. Ein Blitz. Und mitten hinein in mein "Boah, nicht schon wieder!": Ein Klappern von etwas, das auf dem Boden aufschlägt.

WTF?

Ich angele die Mini-Taschenlampe aus dem Schrank die ich mir - Zufall oder Vorsehung? - am Freitag gerade zugelegt habe, mache mir Licht und sehe: Die Birne ist nicht mehr in der Fassung. Zumindest nicht mehr vollständig...


WTF!

Jau. Es folgten das Rest-aus-Fassung-Friemeln, ein Sicherungswechsel (die hat's ja folgerichtig auch wieder zerbröselt) und die obligatorischen Beweisfotos. Und jetzt setze ich neue Birnen auf den Einkaufszettel, ich hab nämlich keine mehr. Das war demnach der vierte Ausfall seit meinem Einzug. *grummel*


Wenn übrigens irgendwer eine Erklärung hat, die über "die Lampe hasst dich" hinausgeht, wäre ich über einen Kommentar sehr dankbar. Langsam kommt mir das seltsam vor...

13.03.11

Momentaufnahmen und Dudelsäcke


Eigentlich will ich unbedingt noch über "Black Swan" bloggen, weil ich mich so aufgeregt habe, als ich aus dem Kino kam. Aber mir ist gerade nicht danach, das zu wiederholen. Wozu die gute Laune verderben, die ich gerade habe? Also erzähle ich lieber mal von etwas ganz anderem: Von perfekten Momenten.

Ich finde es nämlich absolut faszinierend, wie viele davon es gibt, wenn man einfach mal hinguckt. Hinhört. Hinriecht. Hinfühlt. Ich meine keine großen, orgiastischen "Woah, wie geil"-Momente, obwohl die auch toll sind - dazu weiter unten. Ich meine einfach die schönen Dinge, die einem so über den Weg laufen.

~ der erste Schluck heißer Schoko-Cappucchino mit ganz viel Schaum

~ Vorfrühlingssonne, die durch die offene Balkontür scheint

~ die Freude, den neuen Softshoe-Schritt endlich ohne falschen Hop zwischendrin getanzt zu haben

~ unerwartetes Lob vom Oberchef ohne konkreten Anlass

~ der Geruch von Vanille-Räucherstäbchen

~ Riverdance-Melodien beim Hardshoe-Training

~ die wunderschönen Tulpen, die meine Kollegin mir zum Geburtstag mitgebracht hat

~ das erste Mal im Jahr, dass die Luft plötzlich nach Frühling riecht

~ die heiße Dusche, die nach dem Fechten den Schweiß und die Verspannungen wegspült

~ eine CD von Kate Rusby wieder hören, die ich lange nicht mehr im Player hatte, und mich nach England zurückversetzt fühlen

~ das gute Gefühl nach dem Frühjahrsputz, wenn die Wohnung aufgeräumt und sauber ist

~ mit einem Ohrwurm von der Tanz-UT-DVD aufwachen und wissen: in drei Wochen ist es wieder soweit

Ich glaube, ich könnte noch ziemlich lange weitermachen. Und ich weiß wirklich nicht: Passieren momentan einfach besonders viele schöne Dinge oder nehme ich sie nur endlich wahr? Egal was von beidem es ist - es ist toll und ich genieße es. Right now, life is good. *strahl*


Und weil ich es oben versprochen hatte - am Ende noch ein "Woah"-Moment bzw. ein ganzer Abend davon: Gestern Abend, das Pipes and Whistles Festival mit Irish-Mittänzerin und deren Freund. Vier Bands, gemischt aus Mittelalter und Irish Folk, und das dazu passende Publikum. Wir sind hauptsächlich wegen der Cobblestones hingegangen, die dann auch erwartungsgemäß die Halle gerockt haben mit Irish Folk vom Feinsten. Und anschließend völlig ohne Starallüren hinter der Bar ausgeholfen haben, damit die durstigen Massen an Guinness und Met kommen. Großartig.

Der Rest der Bands war auch nicht schlecht, aber halt nicht haargenau mein Geschmack. Well, geht man halt ein Stück weiter nach hinten, überlässt das Gedränge vor der Bühne den Fans und hat weiter seinen Spaß. Wobei es da noch eine sehr großartige Begebenheit gab, denn die erste Band des Abends, Duivelspack, sang ein sehr, sehr wahres Lied namens "Dudelsack". (startet ca. bei 0:45) Ich zitiere:

Ich habe einen Freund, der hat zwar keinen Takt,
doch er hat eine Trommel, die klingt wie ein Infarkt.
Wir spielen die fünf Lieder, die ein jeder kennt -
drum gründen wir noch heute eine Mittelalterband!
*traubentritt-melodie gröl*

Joah. Zwei Stunden später stand Adivarius auf der Bühne. Mit zwei riesigen Dudelsäcken und zwei ebensolchen Trommeln. Und spielen den Traubentritt. Ich hab mich nur noch weggeschmissen. Und trotzdem mitgehüpft, als ich wieder den Atem dazu hatte, die Melodie ist ja nicht umsonst beliebt, weil mitreißend. Aber halt! The nerve! Waren die am Anfang noch nicht da oder war das Selbstironie? Jedenfalls sehr großartig.