07.07.10

Robin Hood - ganz ohne Strumpfhosen

„Guck dir „Robin Hood“ an“, hat F. gesagt. „Der ist toll“, hat sie gesagt. Und da F. meinen Filmgeschmack im Allgemeinen ziemlich gut einschätzen kann, hab ich mich dann mal brav ins Kino gesetzt. Und was soll ich sagen: Sie hatte Recht. So was von.

Ich war ja schon so’n wenig skeptisch, weil – schon wieder ne Verfilmung des immer gleichen Stoffs. Aber sie konzentrieren sich auf die Jahre, bevor Robin zur Legende wurde, und es ist ein richtig, richtig guter historischer Film dabei rausgekommen. (Ja gut, man hätte es ahnen können, als man den Namen Ridley Scott hörte.) Ich bin ja immer so ein Mensch, der gerade von historischen und Fantasy-Filmen vor allem eins erwartet: Dass sie mich umhauen, in sich reinsaugen, mich dazu bringen, mitzufiebern, ohne nachzudenken. „Robin Hood“ hat das zumindest in längeren Passagen geschafft. Und wenn ich gedacht habe, war es meistens ein verzücktes „Das Kleid! DAS KLEID!“ oder „Boah, großartig gemacht mit der Musik!“ Und schon war ich wieder drin im Film.

Wobei wir ja auch gleich bei einem meiner Lieblingsthemen in Sachen Film sind. Musik. Ich weiß ja gar nicht, ob Sie’s schon wussten [/hoffmann], aber Filme funktionieren für mich wahnsinnig stark über Musik. Gebt mir einen Film mit Musik, die ich nicht mag, und er muss schon wirklich, wirklich gut sein, damit ich ihn trotzdem mag. „Good Night and Good Luck“ ist so ein Fall. Auf der anderen Seite kann ein gelungener Musikeinsatz auch ziemlich schwache Filme retten. „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ wäre ein gelungenes Beispiel.

Jedenfalls. Bei „Robin Hood“ ist die Musik … sicherlich nicht wahnsinnig innovativ eingesetzt, aber dafür trifft sie genau meinen Nerv. Ich weeeeiß, die Idee, brennende Gebäude mit getragener Musik zu unterlegen, ist jetzt nicht wahnsinnig neu. Man denke zum Beispiel an brennende Dörfer in Rohan, unterlegt von „The King of the Golden Hall“. Aber zumindest bei mir wirkt die Kombination einfach und lässt mich mitleiden. Genau wie eine durch die Lande galoppierende Armee, untermalt von bombastischem Soundtrack, mit jedes Mal wieder mitreißt. Ich bin so einfach gestrickt. Lasst mich halt. Wobei ich inzwischen teils die falschen Assoziationen habe. Zum Beispiel das „The King! The KING!“ aus dem „The Other Boleyn Girl“-Trailer. Oder mir eine Mischung aus Kichern und „Für Rohan!“ verkneifen musste, als sich die Armeen an diesem White Horse Hill treffen. Aber da kann der Film ja nu nichts für.

Musikalisch hatte er also schon mal alle Sympathien auf seiner Seite. Und dann auch noch Ausstattung, Kamera und Darsteller. Endlich mal wieder ein Historienfilm, der mich einfach nur erschlägt in seiner Bildgewalt. Gut, dass ich Mittelalter-Klamotten anschmachte, ist jetzt ne spezielle Marotte von mir. Aber der Film ist denke ich auch sonst ein optischer Genuss. Sogar Cate Blanchett, bei der’s für mich immer seeeeehr auf’s Buch ankommt, war dieses Mal passend. Dass sie als einzige (?) verheiratete Frau die Haare fast ständig wallend offen trägt, ist zwar irgendwie blöd, aber ich kann drüber hinweg sehen. Das muss wohl so, filmkonventionsmäßig. Genau wie die Tatsache, dass sie mit dem Waldkindergarten in eine Entscheidungsschlacht eingreift. Deeeeeeeh, aber gut, ich guck halt auf den Rest des Geschehens.

Und das war, ich erwähnte es, einfach toll anzusehen. Diese Szene mit den englischen Bogenschützen auf der Klippe – Woah. Aber nicht nur die Schlachten waren toll in Szene gesetzt. (Nein, ich werde keine Diskussion darüber anfangen, ob man etwas so verwerfliches wie das Niedermetzeln von Menschen ästhetisch toll finden darf. Das wäre ein anderer Eintrag.) Auch zum Beispiel die nächtliche Getreide-Aussaat fand ich sowohl von der Musik als auch von den Bildern einen riesigen Gänsehaut-Moment. Und die Szenen mit feiernden oder arbeitenden Dorfbewohnern und Massenszenen am Hof sind für mich ja eh toll. So viel Ambiente! Ich brauche dringend mal wieder einen guten Mittelaltermarkt. Oder noch besser ein LARP. Und ich will eine Fortsetzung für diesen Film. Wo kann ich unterschreiben?