24.06.10

Kultursommer in der Provinz

Bevor ich ins lange Wochenende entschwinde (einmal schlafen und arbeiten noch und dann geht’s loooooos!), muss ich noch mal bloggen, um euch von der Fußball-WM von meinen kulturellen Highlights der Woche zu berichten.

Am Montag war ich nämlich im Kino und am Dienstag im Konzert. Und heute dann auf der Couch vorm Fernseher. Nicht, weil sich’s so gehört, aber ich brauchte mal nen Couch-Abend zwischendrin und dann war’s halt so. Aber davon will ich nicht erzählen.

Sondern erstmal von „Das Bildnis des Dorian Gray“. Hach, was haben wir letztes Jahr alle gehärmt und gejammert, dass der Film in Deutschland nicht startete. Jetzt dann also doch noch und nach längerem Gehibbel war’s dann auch soweit, dass man dafür nicht mehr extra nach Hamburg reisen musste. Damit war klar, dass ich ihn sehen würde. Hab ich dann auch. Montagabend, um 18 Uhr, mit exakt drei Leuten (inklusive mir) im Kino. Ich glaube, das war neuer Rekord. Bisher waren’s jeweils fünf oder sechs bei „Die Frau des Zeitreisenden“ und bei „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“. Aber ich schweife schon wieder ab.

Vorweg muss ich noch gestehen, dass ich die literarische Vorlage nur aus einer Zusammenfassung für Englisch-Schüler kenne. Aber das hole ich noch nach. Nur als Hinweis, warum ich keine Vergleiche anstellen kann. Gelohnt hat sich Dorian Gray auf jeden Fall und ich kann und werde nie verstehen, warum so wenig Leute da drin saßen. Jaaaa, unter der Woche. Früh. Gutes Wetter. ABER! Klassiker-Verfilmung! Und dann optisch so grandios! Ausstattung! Kostüme! Darsteller! *hustbenbarneshust* Das einzige, was ein wenig abfiel, war der Soundtrack. Aber nicht so schlimm, dass es mich gestört hätte. Ein rundum gelungener, viktorianischer Schauerroman. In Filmform. Nicht gut für meine Nerven, aber großartig. Und Ben Barnes ist einfach perfekt in der Rolle. Colin Firth hätte ich für seine wohl nicht gecastet, aber er macht sich da auch richtig gut. Und ich muss Emily noch erwähnen, toll gespielt von Rebecca Hall. Endlich mal ein starker Frauencharakter in dem Film, soooo viel besser als Dorians rumjammernde Jugendliebe. *find*

Ansonsten schwelgt der Film einfach in Bildern. Diese Kameraeinstellung etwa, wie Dorian auf dem Friedhof steht – wow. Die Liebesszenen Sexszenen, let’s face it, hatten dagegen leider was von einem Softporno. Aber okay, das gleicht der Rest des Films locker aus. Und die Kostüme hatte ich eh schon erwähnt, oder? Hach. Männer in solchen Klamotten müsste es heute auch viel öfter geben.


Aber bevor ich völlig ins Schwärmen gerate, leite ich lieber mal über zu gestern. Da gab’s ein Konzert von Chor, Junior-Chor, Bläser- und Streicherklasse sowie Bigband meines ehemaligen Gymnasiums. Nacheinander, nicht alle gleichzeitig. Hingegangen bin ich hauptsächlich wegen des „großen“ Chors, weil ich den als ziemlich gut in Erinnerung hatte. Am meisten gerockt hat (neben der Schülerband in der Pause) die Bläserklasse.

Begonnen haben allerdings die Streicher und die haben’s, im wahrsten Sinne des Wortes, ziemlich vergeigt. Schöne Stücke ausgesucht und größtenteils auch gut vorgetragen, aber irgendwer hatte entweder sein Instrument nicht gut gestimmt oder lag beharrlich nen Halbton oder so daneben. Meine armen Ohren. Spätestens, als sie sich ausgerechnet an „May it be“ versucht haben, war’s für mich nicht mehr schön. Das Streichquartett von vier besonders motivierten Schülern war allerdings toll und den Abschluss mit dem „Fluch der Karibik“-Thema haben sie auch (alle!) sauber und mitreißend gespielt und mich wieder versöhnt.

Der Junior-Chor hat anschließend vier Lieder geträllert und seine Sache auch ordentlich gemacht. Ab und an mal kurze Fehler von einzelnen Sängern, aber mitreißend und alles in allem ne tolle Leistung. Danach kam dann die Bläserklasse und die hat einfach nur gerockt. Erst Beatles, dann ein paar andere Stücke, darunter glaube ich eher klassisches und eher jazziges, und zum Schluss wieder Beatles. Und das dermaßen mitreißend, dass es einen fast vom Stuhl reißt. Mich jedenfalls, und die Leute um mich rum wirkten auch begeistert. Auch der Schlagzeuger war einfach gut, da war einfach Tempo und Energie dahinter. Hach. Sogar "Smooth" von Santana zwischendrin fand ich komplett großartig, und ich hätte nicht gedacht, dass ich das Lied jemals wieder hören mag, nachdem wir im Sport mal ne Choreografie dazu erarbeiten mussten und damit totgedudelt wurden.

Außerdem wird noch der Schulpreis verliehen (Huch, der Schulleiter ist auch alt geworden…) und mit einem ruhigen Kanon werden wir in die Pause entlassen. Dort empfangen uns etwas härtere Töne, weil eine Schüler-Band spielt. Die allerdings versteht was von dem, was sie da tut, und heizt richtig gut ein, ohne mit Exzessen zu nerven. Beinahe vergeht mir die Lust, wieder in den Saal zu gehen. Aber nur beinahe, schließlich kommt gleich der „große“ Chor!

Kommt er nicht, weil erstmal noch die Bigband dran ist. Die hatte ich irgendwie gar nicht auf dem Zettel, aber sie spielt Stücke unter dem Motto „Kult“ (Bluesbrothers, Simpsons und Muppet-Show waren dabei) und macht ihre Sache dermaßen gut, dass ich kaum glauben kann, dass das die gleiche Bigband ist, die in meiner Schulzeit irgendwie immer das gleiche Lied zu spielen schien. Da hat sich offenbar was getan in der Leitung, Hut ab!

Und dann ist es doch endlich soweit, der Chor ist dran. Er singt ein paar Stücke und die Abiturienten singen einzeln und in kleinen Gruppen Solo-Stücke zum Abschied. Und ich sitze da – und bin größtenteils enttäuscht. Nicht von den Leistungen der Sänger. Sondern vom Arrangement der Stücke. Wenn man etwa zwei Drittel bis drei Viertel des Chors Begleitung singen lässt und dabei die eigentliche Melodie samt Text untergeht – das geht einfach gar nicht. Und die Stücke, in denen die Aufteilung nicht so ist, ändern auch nicht viel. Die werden nämlich meist einstimmig gesungen. Nicht schlecht, aber ein so großer Chor hätte sooooo viel mehr Potential, wenn man andere Stücke / Arrangements nehmen und ihn mehrstimmig schwelgen lassen würde. In meinen Augen, pardon, Ohren, wird hier echt viel verschenkt. Am meisten begeistert mich noch das Abschieds-Duett zweier Abiturienten, die „Come what may“ singen. Und der Auftritt der Chor-Herren, die „Chachacha aufm Dach“ präsentieren.

Insgesamt auf jeden Fall ein schöner Abend, aber sehr anders als erwartet. Aber das muss ja nicht schlecht sein.

19.06.10

Ich lache vor Glück. Ist das Betrug, Emmi?


Hach hachedi hach. With a sprinkle of thiii.

Oh Himmel, ich glaube, ich lese momentan eindeutig zu viele Frauen- und Liebesromane. Aber wenn sie halt alle so toll sind! Und teils echt überraschend gut. Wobei. Ich hätte es eh wissen müssen, als ich die Namen "Alexandra Potter" und "Liane Moriarty" gesehen habe. Ist ja nicht so, dass ich von den Autorinnen noch nichts gekannt hätte.

Auf jeden Fall habe ich also "Ein Geschenk des Himmels" gelesen. Der deutsche Titel ist ziemlich strunzblöd, aber es war halt von Frau Moriarty und nachdem ich "Drei Wünsche frei" vor ner Weile toll fand, musste ich es lesen. Tadaa - ja, es war wieder mal echt gut geschrieben. Wieder ein Frauenroman, wieder Figuren mit mehreren "Schichten" und jede Menge Geheimnisse. Okay, die große Auflösung am Ende hab ich mir vorher ziemlich zusammenreimen können. Aber schön war's trotzdem.

Dann entdeckte ich durch Zufall in der Bücherei meines Vertrauens "Who's that girl". Wenn ihr es auch irgendwo seht: Lesen! Jaaaaa, auch ein Frauenroman und eigentlich viel zu vorhersagbar. Rosamunde Pilcher in modern. Aber Alexandra Potters Sprache ist einfach toll, gerade auf Englisch. Ich hab mich teils einfach nur weggeschmissen. Und in diesem Fall war die Story zwar auch ziiiemlich abgedreht, um nicht zu sagen hahnebüchen, aber die Auflösung sorgte wenigstens nicht ganz so sehr für ein großes "WTF?" wie bei "Ein Mann wie Mr. Darcy". (Mr Darcy! Eigentlich könnte ich die BBC-Verfilmung mal wieder gucken...)

Und da die Phase damit offenbar immer noch nicht ausgestanden war, hab ich als nächstes noch an nur zwei Abenden "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer durchgelesen. Von dem wusste ich bisher nur, dass evagwen es ganz toll fand. Aber das war ja schon mal ne Aussage. Und es war dann auch wirklich sehr, sehr toll. Bis auf das Ende. Da hätte ich das Buch am liebsten in die Ecke geworfen. Neee, geht gar nicht. Aber es gibt ja nen Folgeband... ;)

Und jetzt liegt zur Abwechslung mal wieder ein Nicht-Frauenroman auf meinem Nachttisch, jawohl. "Die Tribute von Panem". Jugendbuch und soeben ausgezeichnet mit dem Buxtehuder Bullen, Jugendbuchpreis aus der Nachbarstadt, aber von internationalem Rang. Ich bin gespannt.