31.12.09

Bücher! Bücher! Hunderttausend Bücher!


Und noch ein Eintrag. Den mit dem Neujahrs-Vorsätze-Rückblicke-Zeug verschieb ich dann mal auf morgen, glaub ich. Aber die Bücherliste des Jahres will ich grad noch auseinander nehmen. Wenn ich schon kaum dazu gekommen bin, mal während des Lesens zu kommentieren. (Hab ich das überhaupt?) Egal. In chronologischer Reihenfolge:

Die Schwester der Königin – Landete auf der Liste, weil ich den Film anbetungswürdig fand. Und immer noch finde. Leider zieht sich das Buch im Vergleich doch ziemlich hin. Nicht richtig schlecht, aber wirklich vom Hocker gerissen hat es mich nicht, irgendwie konnte ich mich in die Figuren nicht wirklich reinversetzen.
Wertung: 2/5 Tudor-Kleidern

Die Entbehrlichen - Mein erstes Buch des Jahres. Grandios. Lest es! Dystopischer Roman, spielt in einer fiktiven Zukunft Skandinaviens, in der Menschen ohne Kinder in einem gewissen Alter in Heime gebracht werden, wo sie für medizinische Tests und schließlich als lebende Organlager benutzt werden. Durch die Selbstverständlichkeit, mit der die Ich-Erzählerin zumindest anfangs ihre Situation betrachtet, wird sie nur noch schockierender. Außer um den Wert menschlichen Lebens geht es noch um Geschlechterrollen, entwirft Holmqvist ein erstaunliches Modell radikaler Gleichstellung mit überraschenden Seiten. Aber wirklich beschreiben lässt sich das alles eh nicht, ohne den Plot zu verraten. Also: Lesen!
Wertung: 5/5 durchlesenen Nächten

Piraten – Eine nette Anekdoten- und Faktensammlung über Piraterie in diversen Jahrhunderten. Leider sowohl chronologisch als auch thematisch ziemlich ungeordnet und auch sonst hätte fähiger ein Lektor dem Buch gut getan.
Wertung: 2/5 Jolly Rogers

Gebrauchsanweisung für Berlin – Durchaus nett geschriebene Beschreibung der Stadt, in der ich dann ein gutes halbes Jahr verbracht habe. Einige Selbstverständlichkeiten und Klischees, aber im Grunde durchaus brauchbar und unterhaltsam.
Wertung: 3/5 Berliner Bären

Feuer und Stein (Hörbuch) – OMG. Das Buch war … Kitsch, aber irgendwie toll. So ein „Ja, ich hab’s gerne gelesen, aber sagt’s nicht weiter“-Buch. Das Hörbuch kürzt so gut wie sämtliche vorhandene Handlung einschließlich mehrerer Schlüsselszenen. Übertriebenes Geschmachte und Sehks bleiben unangetastet. Das Ergebnis schwankt zwischen unfreiwilliger Komik und Fremdschämen.
Wertung: 1/5 Highlandern für die Komik

The Hobbit (Hörbuch) – Äh. Ich weiß, dass ich das ausgeliehen hatte. Und angefangen habe zu hören. Aber das hab ich nicht zu Ende gehört, oder? Ich glaube, etwa beim Ringfund bin ich stehen geblieben. Aber irgendwie kann ich mich nicht erinnern. Whoops.
Wertung: entfällt

Brokeback Mountain – Zum zweiten Mal gelesen und mal wieder neue Aspekte entdeckt. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dafür ist es zu gut geschrieben.
Wertung: 4,5/5 Cowboyhüten

Die Kelten – Gut zusammengestellte Infos, bunt gemischt und unterhaltsam.
Wertung: 4/5 Triskeln

A Song of Ice and Fire – Mein zweites Buch des Jahres. Fantasy, die ohne die üblichen Klischee-Figuren auskommt. Ein großes Repertoire an individuellen Charakteren mit mehr als einem Charakterzug und nicht immer durchschaubaren Plänen und Allianzen, angeblich angelehnt an die englischen Rosenkriege. (Vielleicht kann ich das besser beurteilen, wenn ich mehr von Frau Gablé gelesen habe.) Auf jeden Fall mitreißend geschrieben mit echtem Suchtfaktor. Der Rest der Reihe ist inzwischen bei mir eingetroffen und wartet drauf, dass ich Zeit für ihn finde.
Wertung: 5/5 Schattenwölfe

Man hat nur sieben Leben – Reportagensammlung eines ehemaligen Stern-Reporters. Gut geschrieben, aber irgendwie konnte ich mich nicht wirklich dafür begeistern.
Wertung: 2/5 Notizblöcken

At Hope’s Edge – Fanfiction von einer meiner Lieblings-Schreiberinnen, die einfach ein Händchen für Charaktere, Emotionen und Spannungsaufbau hat. Diesmal geht es um eine Gruppe Waldläufer rund um Aragorn, die dem wachsenden Schatten immer weniger entgegenzusetzen haben. Sicherlich nicht hochliterarisch, aber mitreißend.
Wertung: 4/5 Waldläufern.

Anleitung zum Unglücklichsein – Ist ja nun ein Klassiker, da dachte ich, ich muss ihn auch mal gelesen haben. Und fand ihn blöd und irgendwie nichtssagend.
Wertung: 0/5 Psycho-Tricks

Hallo Mr. Gott, hier spricht Anna – Schön. Immer wieder schön. Zum ersten Mal gelesen mit … 11, glaube ich. Dann in der Teenie-Zeit noch mal. Und jetzt dann wieder. Jedes Mal anders gelesen, anders verstanden, andere Details im Vordergrund gesehen. Ein Buch, das ich immer wieder lesen kann. Nicht zu oft, aber immer wieder.
Wertung: 4,5/5 Kinderweisheiten

Unfinished Tales – nur zu etwa einem Drittel gelesen, weil mir klar wurde, dass ich gerade was lesen möchte, das mehr / offensichtlichere Emotionen hat. Tolkien ist toll, aber ich muss in der richtigen Stimmung sein.
Wertung: entfällt

North and South – Aaaanstrengende Hauptfigur. Irgendwann wollte ich Margaret nur noch nehmen, schütteln und anschreien. Davon abgesehen sind die einzelnen Handlungsstränge ziemlich unverbunden und man hat ab und zu das Gefühl, dass die Autorin nicht so ganz weiß, wo sie mit der Geschichte hin will. Den Film will ich trotzdem noch sehen.
Wertung: 2/5 Fabrikschloten

Jonathan Strange & Mr. Norrell – Hochgelobt als großartiges Fantasybuch. Leider kann ich mich dem nicht anschließen. Nach etwa 200 Seiten hab ich’s aufgegeben. Die Story ist im Grunde nicht schlecht, aber die Erzählweise ist dermaßen laaaaangatmig, das ging einfach nicht.
Wertung: 1/5 mysteriösen Gentlemen für die grundsätzliche Handlung

Die Frau des Zeitreisenden – Ich war vom Film begeistert und hörte, das Buch solle noch besser sein. Also hab ich’s gelesen und … schlagt mich, aber ich find den Film besser. Die Geschichte ist immer noch toll, aber Frau Niffenegger trifft mit ihrer Sprache einfach nicht das, was ich brauche, um in einem Buch zu versinken. Oder der Übersetzer hat’s vergeigt, das kann natürlich auch sein.
Wertung. 3/5 Zeitreisenden

Master and Commander – Angepriesen als „Jane-Austen-Roman für Männer“. Den Film fand ich recht gut, also war ich neugierig. War denn auch nicht schlecht, aber die Figuren blieben mir zu emotionslos, da konnte ich kaum Verbindung aufbauen. Ich glaub, ich bleib beim Film.
Wertung: 2/5 Leichtmatrosen

Das Lächeln der Fortuna – „Lies Rebecca Gablé“, hat F. gesagt. „Du wirst sie mögen“, hat sie gesagt. Sie hatte ja so Recht. Großartig geschriebener historischer Roman, in dem es zur Abwechslung mal nicht um ein junges Mädchen mit Visionen geht, das sich in einer bösen Welt behaupten muss. Sondern um historische Ereignisse im mittelalterlichen England. Glaubwürdig, spannend, gut geschrieben. Mein drittes Buch des Jahres, und von Frau Gablé liegt auch schon das nächste auf dem Nachttisch.
Wertung: 5/5 Thronräuber-Intrigen

Die Panik-Macher – Ein Buch über tatsächliche, über- und unterschätzte Risiken. Ich hatte ein leicht anderes Thema erwartet, fand das aber auch interessant. Das Buch brachte teils überraschende Erkenntnisse, rief teils aber auch ziemliches Augenrollen hervor.
Wertung: 2/5 Massenhysterien

Der Jane Austen Club (nur echt mit Deppenleerzeichen) – Noch ein Buch, das ich wegen des gleichnamigen Films gelesen habe. Der Film war belanglose, aber nette Unterhaltung. Das Buch war ebenfalls belanglos, aber nicht wirklich unterhaltsam. Ich jedenfalls wurde mit den Charakteren nicht wirklich warm.
Wertung: 2/5 Empirekleidern

Die Welt ohne uns – Bei Stina gesehen und nicht ausgeliehen, weil ich noch so viele ungelesene Bücher rumliegen hab. Um es dann ne Woche später doch aus der Bücherei zu holen. Interessante, wissenschaftlich wohl recht fundierte „Rumspinnerei“, was so passieren würde, wenn die Menschheit von jetzt auf gleich verschwände. Ab und zu ein wenig ungeordnet und redundant, aber prinzipiell eine originelle Idee, die zum Nachdenken anregt.
Wertung: 4/5 Naturphänomenen

Schottland: Western Highlands – Buch mit Informationen zu Wanderurlaub und Touren in der Gegend. Weil ich mehr Fundament fürs Rumspinnen brauche. Gute Tipps, leider nicht für genau die Region, die mich am meisten reizt. Mal sehen, was sich umsetzen lässt.
Wertung: 4/5 Rucksäcken

Das Jahrhundert der Bilder, Band II – Hat mich fast das letzte halbe Jahr begleitet und ist immer noch nicht annähernd durch, weil ich nur hin und wieder ein Kapitel lese. Greift Bilder der letzten 60 Jahre heraus, die zu Ikonen wurden, und lässt von verschiedenen Autoren erklären, warum – politisch, ästhetisch, kulturell. Einige Autoren erklären einleuchtender als andere, aber insgesamt sehr lesenswert.
Wertung: 3,5/5 Bildelementen

Naturmagie – Auch ein Buch, das lange auf dem Nachttisch liegt, weil ich immer mal wieder reinschaue und blättere. Noch bin ich mir nicht ganz schlüssig, ob ich es mag oder nicht.
Wertung: entfällt noch

Mythologie – Dieses große, rötliche, günstige Buch, vielleicht kennen’s einige. Lag schon länger bei mir rum, jetzt komm ich endlich mal zum Stöbern und bin bislang ziemlich angetan. Scheint ein guter Überblick zu sein, aber noch kann ich wenig sagen.
Wertung: entfällt noch

Gute Zeit, schlechte Zeit, keine Zeit.


Im Moment bin ich echt so der Herr Kanickel der normalen Welt. Ich meine: Ich hab keinen Job (nein, immer noch nicht, Ruhe dahinten) und müsste eigentlich mehr Zeit haben, als mir lieb ist. Und mich halb zu Tode langweilen. Eigentlich. Yeah. Well. In der Realität sieht es eher so aus, dass ich irgendwann zum Fenster gucke und mich frage, seit wann es eigentlich schon wieder dunkel ist und wer das genehmigt hat. Weil der Tag doch noch gar nicht wieder so alt sein kann.

Jedenfalls wohne ich inzwischen seit ziemlich genau einem Monat wieder bei meinen Eltern und bislang läuft alles sehr entspannt. Ich war ja doch ... skeptisch gewesen vorher. So nach fünf Jahren wieder im Kinderzimmer einziehen war jetzt nicht gerade mein Wunschtraum. Aber bislang kommen wir gut miteinander aus und für ewig wird es ja wohl auch nicht sein. Das einzig nervige bisher war eigentlich die Ämter-Rennerei am Anfang. Vor allem das Arbeitsamt. Gaaah. Also. Wenigstens war die gute Frau vom Amt (die etwa mein Alter hatte und echt nett war) ehrlich und hat selbst gesagt, dass ich wahrscheinlich besser weiß, wie ich in meinem Feld nen Job finde. Weil, Zitat, "Das ist ja jetzt nicht unser alltägliches Geschäft." Jau. Blöd nur, dass sie trotzdem verpflichtet ist, mir Auflagen zu machen und so Blödsinn. Aber gut, wird schon.

Ansonsten stört mich die Situation im Moment erstaunlich wenig. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: Sie stört mich anders als ich vorher gedacht hätte. Ich habe gedacht, mir würde die Decke auf den Kopf fallen. Mich halb zu Tode langweilen. Ich würde mir mit meinen Eltern - vor allem mit meiner Mutter - spätestens nach zwei Wochen in den Haaren liegen. Alles nicht passiert. Ich habe Umzugskisten ausgeräumt, mein Zimmer (zum Teil) ausgemistet, alten Uni-Kram sortiert, weil ich dazu nach den Prüfungen nicht gekommen war. Meiner Mutter geholfen, allerlei Wintergemüse zu verarbeiten und Weihnachtsplätzchen gebacken. Mal wieder ein paar mehr Bücher gelesen und Filme gesehen. Bewerbungen geschrieben. Ein friedliches, gemütliches, entspanntes Weihnachtsfest mit meinen Eltern gefeiert und sogar den Verwandtschafts-Teil mit "nicken, lächeln, ignorieren" gut überstanden. Alles in allem ein angenehmer Monat.

Was mich stört, ist also weniger die äußere Situation. Eher ich selbst, quasi. Meine schwankende Haltung, Stimmung, Wahrnehmung, wie immer man es nennen will. Im einen Moment "Ah, da wird sich schon bald was ergeben", im nächsten Frust und Ungeduld. Und dazu die gut gemeinten Fragen und Tipps der näheren und weiteren Umgebung. Ob ich es nicht vielleicht in diesem und jenem Bereich versuchen wolle. (Jau, die warten auf Leute, die für was anderes ausgebildet sind.) Man hätte neulich gehört, dass dieser und jener Kniff bei Bewerbungen gut ankommt. (Ah. Ja denn.) Ob ich denn nicht mal Zeitung XY kaufen und deren Stellenanzeigen durchsehen wolle, da wäre doch sicher mehr drin als im Lokalblatt. (Weil ich ja auch sonst das Lokalblatt als Hauptquelle habe, isjaklar.) Oder einfach die Bemerkung, mit meinen Zeugnissen und all dem müsste ich doch ganz schnell was finden. Alles gut gemeint und im Grunde wirklich nett, aber wenn man mich im falschen Moment damit anspricht, nagt es an den Nerven.

Ah well. Im Grunde bin ich immer noch unverbesserliche Optimistin, zumindest die meistens. Es wird schon werden. Im Moment fang ich gerade an, mich auf Aushilfsjobs zu bewerben, um die Zeit bis dahin zu überbrücken. Damit könnte ich mich dann immerhin von der Frau im Arbeitsamt verabschieden, das würde gleich zwei Leute glücklich machen. *g*

22.12.09

Wintersonnenwende

Leicht verspätet, weil ich die Akkus für die Kamera noch laden musste und deshalb erst heute Morgen ein paar Fotos machen konnte. *g* Juliges auf dem Balkon meiner Eltern:

Die längste Nacht des Jahres ist vorüber, die Tage werden länger und heller. Die wärmende Sonne erreicht uns täglich ein paar Minuten mehr. Und auch wir tragen in diesen Tagen Licht und Wärme, Hoffnung und Freude in die Welt. Die Macht des Winters, der Kälte und der Dunkelheit ist noch nicht gebrochen, aber sie wird schwinden. Ein frohes Julfest euch allen!


... Und nach diesen Worten noch ein paar weniger poetische: You! Out of my religion! You make it look stupid.