22.10.09

Männer, Frauen, Vegetarier Filme

So ein wenig schizophren fühlt man sich schon, wenn man in ein Kino geht, zwei Karten für die „Ladys’ Night“ ne Woche später kauft, aus dem Kino geht, die Straßenseite wechselt, ein anderes Kino betritt und sich die reservierte Karte für den „Männerabend“ abholt. Aber hey, was kann ich dafür, wenn dämliche Kino-Ketten meinen, Filme nach Geschlecht vermarkten zu müssen, bei denen das ziemlich dämlich ist?

So kam es dann jedenfalls, dass ich letzte Woche erstmal im CinemaxX saß und „The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring“ sah. Leider ohne persönliche Begleitung, aber immerhin inmitten weiterer Freaks, die den Film noch mal im Kino sehen wollten. In der OV. Hachedihach. Es ist immer wieder schön, wenn mich bestimmte Szenen auch beim X-ten Sehen noch komplett packen. Und auf großer Leinwand ist der Film natürlich noch mal ne ganz andere Klasse. Ich hab so ziemlich den gesamten Prolog durch Gänsehaut gehabt. Und tatsächlich noch wieder neue Details entdeckt, die mir bisher nie aufgefallen sind. Und dank diverser Forums-Insider Kicheranfälle an Stellen unterdrückt, die per se kein bisschen komisch sind. „Where do you lead us?“ – „Into the wild“ *gigglesnort* (Das muss man nicht verstehen.)

Und diese Woche gab’s dann das angebliche Kontrastprogramm: Vorpremiere von “Die Päpstin” bzw. „Pope Joan“, schließlich wurde der auf Englisch gezeigt. Was mich gleich mal zu der Frage bringt, warum sie den Film eigentlich „Pope Joan“ genannt haben, wenn die Hauptfigur den gesamten Film durch mit „Johanna“ angesprochen wird. Aber gut. Logik. Wer braucht schon so was?

Der Film selber ist dann aber ziemlich gut. Ich hab das Buch vor relativ langer Zeit gelesen, so ungefähr mit 15. Die Schlüsselszenen, die ich in Erinnerung hatte, hab ich weitestgehend wiedergefunden, ohne dass der Film eine lieblose Aneinanderreihung dieser Szenen gewesen wäre. Logischerweise rafft er ziemlich, weil man ca. 1000 Seiten halt nur schwer in zwei Stunden Film unterbringen kann. Dadurch gerät das ganze ab und zu ein bisschen seeeeehr ins Mary-Sue-hafte. Pursi und ich hatten jedenfalls relativ synchrone Anfälle von „Jaaaa, sie ist Gottes Geschenk an die Menschheit und alle sind voll gemein zu ihr. Wir habens begriffen.“

Insgesamt ging’s aber noch und außerdem war der Film einfach optisch toll. Frühmittelalter-Gewandungen! Frühmittelalter-Gewandungen! *hüpffreu* Inspiratio-hon! Vor allem die böse Stiefmutter [/klischee] hatte tolle FrüMi-Adelsklamotten an. Der Rest der weiblichen Personen war ja meist entweder als Mann verkleidete Protagonistin oder zerlumptes Bauernvolk. Und wo wir grad schon bei der Optik sind: Gerold schadet da auch ganz und gar nicht. Wobei es schon extrem ist, wie sehr sie David Wenham wieder auf Faramir getrimmt haben. FrüMi-Klamotte und lange rotblonde Locken – jau, passt. Er darf den aufgeklärten Gentleman zwischen den tumben Klischee-Mittelaltertypen geben und sieht gut dabei aus. Damit lässt sich über die teils halt doch klischeehafte Darstellung recht gut hinweggehen. Das einzige, was mich dann noch wirklich gestört hat, war die Erzählerstimme aus dem Off, die ständig Krams erzählt hat, das man dermaßen gut hätte filmisch darstellen können, wenn man sich ein bisschen Mühe gegeben hätte und kreativ geworden wäre. Deh.

Freak die ich bin hab ich heute natürlich erstmal Dinge™ recherchieren müssen. Also nicht, ob es die Päpstin gegeben hat. Eher so … Hintergründe. Zum Beispiel, ob es im 9. Jahrhundert wirklich so dermaßen als Sünde und Teufelswerk verschrien gewesen wäre, wenn eine Frau lesen und schreiben lernt. Und mal so die Klärung der hartnäckigen Frage, ob man die Darstellung von Männerklöstern als einzigem Hort des Wissens nicht vielleicht hinterfragen sollte. Und yay, mein Halbwissen hatte mich nicht getäuscht: Ich kam zu dem Ergebnis, dass es schon im 5. Jahrhundert in Westeuropa Frauenklöster gab. In Deutschland vielleicht noch nicht sofort, aber z.B. im 8. Jahrhundert wurde St. Irminen in Trier gegründet. Und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass da keine von den Nonnen die Bibel lesen konnte. Nicht, dass ich's beweisen könnte, aber - so intuitiv. Also dürfte das sooooo OMG Teufelswerk jetzt im 9. Jh. eigentlich nicht mehr gewesen sein. Klar, dass 'n Mädel vom Dorf sowas lernt, war sicher mehr als außergewöhnlich. Waren wohl normalerweise eher ein paar Adelstöchter, die man grad nicht mehr vorteilhaft verheiraten konnte. Aber dass ständig drauf rumgeritten wird, dass Frauen ja niemals lesen, schreiben und logisch denken könnten und dass das außerdem gegen Gottes Willen verstößt und Sünde ist - find ich dann schon strange. Den ersten Paradefall find ich zwar erst ca. 100 Jahre später mit Hrotsvit von Gandersheim, aber ich denke, da gab’s schon vorher was. Ich muss da mal mehr recherchieren.

Und da mir im Film noch sauer aufstieß, dass die Erzählerstimme was von "Papst als Oberhaupt aller Christen" (bzw. wörtlich etwa "the head of all Christianity") faselte, hab ich noch kurz recherchiert, wann sich die Kirche aufgespalten hat. Okay, die Spaltung in West und Ost, an die ich dachte, war erst im Hochmittelalter, 10. oder 11. Jh. (Hey, ich hab die Gedächtnisspanne eines durchschnittlichen Goldfischs!) Aber die Kopten haben sich schon im 5. Jh. abgespalten. Ha-HA! So viel zu „alle Christen“. ... Allerdings kam dann am Ende des Films raus, dass die Erzählerstimme einer Person aus der Zeit gehört, die der katholischen Kirche angehört. Dass die natürlich die Katholiken als einzige Christen ansieht - jau. Wohl doch kein Filmfehler, sondern film-intern logisch. Wobei das den Einsatz einer Erzählerin noch mal dämlicher macht, wenn dadurch Dinge historisch inkorrekt vermittelt werden. Gah.

Äh, ja. *hust* Das klingt jetzt, als sei der Film komplett dämlich, dabei war er echt gute Unterhaltung und hatte tolles FrüMi-Ambiete. Also, in den Szenen, in denen gerade nicht die unschönen Seiten des FrüMi mit Gewalt, Armut, Dreck und Unterdrückung gezeigt wurden. … Jetzt fang ich schon wieder mit dem Negativen an. Ich sollte wirklich mal nen Kurs belegen. „Wie rezensiere ich einen Film positiv“ oder was in der Art.

... Wahrscheinlich mach ich ihn nur schlecht, weil ich mich immer noch ärgere, dass ich vor nem Jahr Magisterarbeit geschrieben habe und mich deshalb nicht melden konnte, als sie für den Dreh in der Eifel Statisten gesucht haben. :dramarthisier: [sic]

06.10.09

Reisen bildet. Unter anderem größere Foto-Ansammlungen.

Vorwarnung: Nein, ich weiß auch nicht, warum Blogger gerade mit den Formatierungen rumjongliert. Ich bescheide mich jetzt mal damit, dass alles lesbar sein müsste.

Ich versprach einen weiteren Blogeintrag und will euch nicht schon wieder Wochen warten lassen. Daher serviere ich mal den Picspam vom Urlaub sowie ein paar Sprichwörter samt Erklärung. (Ja, ich habe mir Notizen während der Führungen gemacht. Ha-ha!)


Die ersten Sprichworterklärungen gab es im allerliebsten Kräutergarten auf der Marksburg und sie drehten sich, wer hätte es gedacht, um Heil- bzw. Hexenkräuter. Da erklärte uns die Burgführerin nämlich, dass sich die Frauen früher Tollkirschsaft in die Augen geträufelt hätten, um schöne große Pupillen zu haben – daher dann die Wendung „jemandem schöne Augen machen“. Wahlweise hätten sie das Zeug auch gleich beim Gegenüber angewandt, damit der sie nicht so genau erkennen konnte. Bei Überdosierung sei es dann halt auch schon mal passiert, dass die Liebe blind gemacht hätte. Ja, so war das nämlich.


Die nächsten Erläuterungen folgten in der Burgküche, wo uns erzählt wurde, dass man ja im Mittelalter über offenem Feuer gekocht hätte. (Ach was.) Um die Temperatur zu regulieren, konnte man den Topf höher oder tiefer hängen – erleichtert durch eine Vorrichtung mit sägezahnartigen Haken, die eingezogen oder ausgefahren wurde. Und wenn das Essen schnell fertig werden sollte, wurde eben ein Zahn (oder auch mehrere) zugelegt.


Als sie uns an den verschiedenen … Kanonen? Oder hießen die Teile noch anders? Ich bin mir sicher, sie hießen irgendwie anders. Egal. Als sie uns an den wie Kanonen aussehenden Teilen vorbeigeführt hat, hat die gute Frau uns noch kurz was über Vorder- und Hinterlader und so Kram erzählt. Und dass es bei einem von beiden leicht passieren konnte, dass der Schuss nach hinten los ging. Wenn ich mich jetzt noch besser erinnern könnte… Tja, bin ich wohl doch ein Klischee-Mehdchen. Bei Kräutern und Küche genau aufgepasst, und wenn es um Waffen geht – ladida, guckt mal, ein Vogel!


Besser gemerkt hab ich mir dann wieder die inhäusigen Erklärungen. Da standen wir dann erstmal im Schlafzimmer, das Bett hatte einen Baldachin. (:herzchen:) und uns wurde erklärt, dass man seine Wertsachen gerne mal oben drauf versteckt hat – dann hatte man was auf der hohen Kante. (Das war übrigens eine von den Redewendungen, die auf Burg Eltz noch mal vorkamen.) Normalerweise bewahrte man Geld und Gold und Glitzerdinge aber eher in kleinen, handlichen Truhen auf, die man mitnehmen konnte. Auf den Boden hat man häufig gar grimmige Hunde gemalt, die den ganzen Kram bewachen sollten. Tja, und wenn man dann auf den Hund gekommen war, dann war das ein deutliches Zeichen dafür, dass nicht mehr viel in der Truhe war.


Exkurs: Nebenbei hat die Führerin uns in dem Schlafzimmer noch erzählt, dass die Betten auf dem Mittelalter / der Frühneuzeit nicht nur deswegen oft kurz sind, weil die Menschen kleiner waren, sondern auch, weil sie im Sitzen geschlafen haben. Weil die liegende Position eine Position war, die mit dem Tod in Verbindung gebracht wurde. Fand ich sehr faszinierend und stelle mir das ziemlich unbequem vor. [/exkurs]


Weiter im Text. Wir kamen in den Speisesaal. Mit dazugehöriger Toilette, die nur von außen (im Verteidigungsfall, blablub) verschlossen werden konnte. Aber ich schweife ab. Was ich sagen wollte war, dass das Personal anno dunnemal die Speisen bei größeren Feierlichkeiten nicht alle einzeln auf den Tisch geschleppt hat, sondern einfach den gesamten Tisch hergerichtet und in den Raum getragen hat. Und wenn alle satt waren – dann wurde die Tafel aufgehoben und wieder rausgetragen.

Neben der kurzen Erklärung, dass das Wort „türmen“ für „fliehen“ daher kommt, dass man früher in letzter Not in den Bergfried, also den Turm, geflohen ist, erinnere ich mich von der Marksburg nur noch an Anekdoten aus der Folterkammer. Nämlich an eine Schandmaske in Form eines Schweinekopfes, mit der Leute zur Sau gemacht wurden, an eine Streckbank, um sie auf die Folter zu spannen und daran, dass es an die Strafe des Räderns erinnert, wenn man heute Schmerzen hat und sagt, man fühlt sich wie gerädert. Gut, die letzteren beiden sind jetzt ziemlich selbsterklärend, aber so der Vollständigkeit halber erwähne ich sie mal mit. Und beschließe ansonsten die Erzählungen von der Marksburg mit ein paar schönen Fotos.



Ein wundervolles Schild an der Brüstung, unter der die Straße verläuft. Man fragt sich schon ab und zu, für wie blöd man gehalten wird. Beziehungsweise, wie blöd andere Leute sich verhalten haben müssen, wenn so ein Schild nötig ist.

Die Burgküche! Die Burgküche! :herzchen:



Bei diesem Raum bin ich immer noch ein wenig beleidigt, dass es der einzige war, durch den wir ohne jegliche Erläuterungen durchlaufen mussten.



Von der Burg Cochem sind leider keine Sprichwörter zu berichten, daher auch nur ein wenig Picspam.











Auf der Burg Eltz gibt’s die umgekehrte Lage: Keine Bilder von drinnen, dafür noch ein paar letzte Sprichwörter und Redewendungen. Einige haben sich überschnitten, andere habe ich vermutlich vergessen, aber zwei fallen mir dank meines Notizzettels noch ein. Die eine hat mal wieder mit Waffen zu tun. Und zwar wurde ein wenig die Geschichte der Handfeuerwaffen nacherzählt, Vorderlader, Hinterlader, oh schaut mal, ein Vögelchen! Jedenfalls. Die wurden dann ja irgendwann dadurch gezündet, dass man einen in … was eigentlich? … getränkten Faden, die Lunte, und … diese Flüssigkeit, mit der er getränkt wurde, muss wohl ziemlich erbärmlich gestunken haben. Und wenn der Feind ungünstig stand, dann hat er unter Umständen, was wohl? – Genau, Lunte gerochen. Tadaa, und wieder mal mit Dreiviertelwissen Dinge erklärt.

Die nächste und letzte Redewendung gab’s dann mal wieder im Schlafzimmer, gleich nach der Erläuterung der hohen Kante. Da wurden wir nämlich darauf aufmerksam gemacht, dass das Bett erhöht auf einer Art Podest steht. Das war so, weil … äh. Ungeziefer? Nee, deswegen war der Baldachin. Äh. Egal. Jedenfalls musste man Stufen erklimmen, um ins Bett zu kommen, und daher kommt der Begriff „(jemandem) ins Bett steigen“. Jippieh.

Mit ein paar (*hust*) letzten Bildern der Burg Eltz von außen beschließe ich dann mal die Deutsch- und Geschichtsstunde.