30.09.09

Stiftung Burgentest

So, endlich komm ich mal wieder dazu, den Faden aufzunehmen… Also, die Wanderung hatte ein wenig abrupt geendet und die Suche nach einem Alternativprogramm ergab schnell eine Mischung aus semiprofessionellem Abhängen und zwischenzeitlichen Tagesausflügen. Bevorzugt solchen zu Burgen. Hand hoch, wenn das überrascht … schade, hätte ja klappen können.

Andy, Arek und ich begründen jedenfalls in den kommenden Tagen die inoffizielle Stiftung Burgentest. Erste Feststellung: Burgen haben allgemein zu knapp kalkulierte Öffnungszeiten für klischeemäßig spätaufstehende (Post-)Studenten. Kaum möglich, mehr als zwei an einem Tag zu schaffen. Aber andererseits hat man danach eh eine Überdosis und muss erstmal wieder zum Abhängen wechseln. Auf jeden Fall schaffen wir es, die Marksburg, die Reichsburg Cochem und die Burg Eltz abzuklappern. Bei Burg Pyrmont stehen Arek und ich leider nach dem Ende der Öffnungszeiten vor verschlossenen Burgtoren. Now well, dann wird die ein andermal nachgeholt.

Jedenfalls, in durchaus wertender Reihenfolge: Die Burgen.

3. Platz: Reichsburg Cochem


Eine wirklich imposante Anlage, durchaus hüpsch (sic!) über der Mosel gelegen. Um mal Wohnungsanzeigen-Sprech zu verwenden: Viel Potential. Aber. Ich mag Burgen halt lieber, wenn sie nicht im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet sind. Jaaaaaa, die Einrichtung ist original und die Burg wurde halt damals groß renoviert und überhaupt. Aber. Mein persönlicher Geschmack will keine Biedermeier-Dinge in Burgen. Nix gegen Biedermeier, Biedermeier herrscht. Aber in Herrenhäusern und Schlössern, nicht in Burgen.

Nichtsdestoweniger könnte die Burg Cochem durchaus was für sich haben, selbst mit der Einrichtung. Wenn Andy und ich nicht den unmotiviertesten Burgführer diesseits des Rheins erwischt hätten. Maaaaaaan, war der Typ von sich selbst und seiner Aufgabe gelangweilt. Auswendig gelernter Text, unmotiviert runtergespult. Und dann auch noch ein dermaßen dämlicher Text. Also. Die Informationen mögen in den meisten Fällen durchaus richtig gewesen sein. (Auch wenn ich immer noch bezweifle, dass die seeeeehr nach 30-jährigem Krieg aussehenden ausgestellten Hellebarden mit „mittelalterlich“ korrekt bezeichnet waren.) Aber so zwei Sätze zu den Lebensumständen in den Raum zu werfen, zusammenhang- und übergangslos die Urheber von zwei der sechs Gemälde zu erwähnen und noch kurz irgendeine nicht weiter einzuordnende Zusatzinfo einstreuen, während man schon so halb darauf drängt, die Leute in den nächsten Raum zu scheuchen – das geht einfach gar nicht. Chance verschenkt.

2. Platz: Burg Eltz



Die zweite Burg, die ich nach der Reichsburg mit Andy besuche und die uns den Burgen-Tag rettet. Davon, dass sie imposant ist und in toller Landschaft gelegen, muss ich wohl gar nicht erst anfangen. Da sprechen die Bilder für sich.

Im Gegensatz zur Reichsburg Cochem ist die Burg mehr oder minder spätmittelalterlich eingerichtet. Und – tadaaa – die Burgführung ist tatsächlich motiviert und lebendig. Etwas zu hektisch für meinen Geschmack und die Gruppe ist, wie schon in Cochem, einfach zu groß für die häufig doch ziemlich kleinen Räume. Aber die Führerin versteht es, Geschichte in ihren Beschreibungen lebendig zu machen und Dinge verständlich zu machen. Und sie streut Erklärungen von Sprichwörtern in ihre Ausführungen ein, was den Deutsch-Freak in mir dazu bringt, mühsam Entzückenslaute zu unterdrücken. (Und ab und zu auch Gekicher, wenn sie genau das erklärt, was die Führerin auf der Marksburg – dazu gleich mehr – auch schon erklärt hatte. Gab’s da mal den Kurs „Sprichwörter, ihre Bedeutung und wie ich sie in meine Führungen einbaue“?) Auf jeden Fall ist die Führung viel zu schnell vorbei und das einzige Manko der Burg bleibt die Tatsache, dass das Fotografieren in den Räumen verboten ist.

1. Platz: Marksburg



Auf dem ersten Platz landet – trotz derzeit stattfindender Renovierungsarbeiten - demnach die Marksburg, was sie nicht zuletzt der absolut tollen Burgführerin zu verdanken hat, die uns durch die Räumlichkeiten geleitet. Eine absolut sympathische Frau, die mit Fachwissen und Humor gleichermaßen glänzt und ebenfalls einen Haufen Sprichwort-Erklärungen in ihre Erläuterungen einbaut. Fotografieren ist erlaubt, Fragen stellen auch, und als Arek in einer Vitrine Fingerhüte entdeckt und mir ein „Guck mal, Fingerhüte sind A“ zuraunt, kichert sie dermaßen wissend, dass ich nicht anders kann, als sie unter „die macht auch Mittelalter“ abzulegen.

Davon abgesehen, ist die Burg einfach großartig. Keine Ahnung, warum die nicht berühmter ist. Okay, von außen macht sie nicht so viel her wie z.B. Elz (Obwohl. Wenig jetzt auch nicht.), aber es sind ja die inneren Werte, die zählen, nech? Und die sind wirklich nicht zu verachten. Können wir die Burg mal für ein Larp anmieten, bittedanke? Schon die Küche ist schlicht toll. Alleine dieser Räuchergeruch! Ich wäre am liebsten gar nicht wieder rausgegangen. Wenn da nicht noch weitere Räume zu besichtigen gewesen wären. Und ein Kräutergarten. „Den haben wir vor ein paar Jahren nach Aufzeichnungen von Hildegard von Bingen angelegt und gegliedert.“ Boah. Küchenkräuter. Halbvergessene Obst- und Gemüsesorten. Heilkräuter. Dinge. All kinds of awesome. Meine Nummer Eins.

Soweit der Überblick über die Testergebnisse. Im folgenden Post finden Sie eine Sammlung der schönsten Bilder sowie die angesprochenen Erklärungen der Sprichwörter.

17.09.09

Eifelsteig, Tag 2: So weit die Füße tragen

Um halb acht piepst der Wecker. Yay Urlaub. Ein erstes Sondieren der Muskelkater-Front zeigt, dass selbiger zwar vorhanden ist, aber schwächer als erwartet. Verglichen damit, wie tot ich gestern ins Bett gefallen bin, geht es mir ziemlich gut. Nur die Füße tun immer noch weh. Ah, wird schon gehen. Erstmal frühstücken wir gemütlich-rustikal und holen uns bei der Wirtin noch den Tipp ab, nicht die ausgeschilderte, hässliche Umleitung über den Radweg zu laufen, sondern den ursprünglichen Eifelsteig. Der sei nämlich durchaus begehbar, nur wolle irgendein Jäger nicht, dass Leute durch sein Revier wandern. Und habe deshalb die Schilder abmontiert, aber den Weg würde man gut finden. Ja denn.

Wir decken uns noch kurz mit Proviant ein, dann geht es los, ziemlich pünktlich gegen 9 Uhr. Den ursprünglichen Weg – mal sehen, wie weit wir kommen. Wenn wir uns auch mit Schildern verlaufen, kann es ohne nicht viel schlimmer werden. Und hier am Anfang sind ja noch welche da, was auch gut ist, denn der Weg ist mal wieder eher ein halb versteckter Trampelpfad. Oder erkennt jemand einen Weg?



Neben bei geht es, welch Überraschung, mal wieder steil bergauf. Ebene Abschnitte werden nach Meinung der Planer wohl überbewertet. Aber durch den raschen Anstieg haben wir bald einen schönen Blick auf Kordel.



Nach einer ganzen Weile Kletterei wird der Weg dann doch noch relativ eben und breit, verfehlen kann man ihn hier wirklich nicht mehr. Zumal es keine nennenswerten Abzweigungen gibt. So ist es wirklich nicht schwer, auch im schilderlosen Abschnitt nicht falsch zu laufen. Nach dem Geplauder und der Alberei gestern stapfen wir heute allerdings eher schweigsam nebeneinander her. Gespräche kosten unnötig Puste und kostbare Kalorien. Die Beine sind müde und ausgerechnet heute haben wir die längste Etappe der Tour vor uns, das hebt auch nicht gerade die Stimmung. Die Morgensonne und die Ausblicke vom Weg dagegen schon.

Als wir wieder ins Tal kommen und Steig und Radweg-Umleitung zusammenstoßen, bereuen wir es trotzdem ein wenig, nicht einfach die genommen zu haben. Ein paar ebene Anfangskilometer am Fuß des Berges entlang wären vielleicht doch der bessere Start gewesen als die Kraxelei am Hang, nur um weiter oben entlang zu laufen. Wir wandern keuchend den nächsten Berg hinauf und entlang, dann sind wir in Schleidweiler, wo wir die Serie vom Vortag fortsetzen und uns prompt wieder verlaufen. Weil wir den Schildern Richtung „Wanderwege“ gefolgt sind. Ist ja auch völlig unlogisch, dass man sich daran orientiert, wenn man zum Eifelsteig will, nech? Zum Glück ist wieder mal ein älterer Herr hilfsbereit – und schickt uns diesmal in die richtige Richtung. Den Berg hoch. Eigentlich logisch. Wie sind wir eigentlich auf die Idee gekommen, nicht automatisch der Straße zu folgen, die nach oben führt?

Nach etwa einem sonnenbeschienenen Kilometer entlang einer Landstraße sind wir gegen 12 Uhr mittags am Ortsrand von Rodt. Ein Unbekannter, der einen Schrein verdient hätte, hat unter einem kleinen Baum eine Bank aufgestellt. „Bank. Schatten.“ *grunz* Zeit für eine Mittagspause. Als wir anschließend weitergehen, sagt uns ein Schild, dass wir seit unserem Aufbruch heute Morgen 10 Kilometer geschafft haben – und bis Bruch noch 19 vor uns liegen. Erste Zweifel machen sich breit.

Den Weg nach Zemmer kürzen wir ab – beinahe hätte ich geschrieben, „ohne es zu wollen“, aber das könnte man falsch verstehen. Richtig ist: Wir haben es aus Versehen getan, weil wir die Abzweigung von der direkt auf Zemmer zu führenden Landstraße nicht gesehen haben. Aber zumindest ich war nicht böse über die Abkürzung. (Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass auf der eigentlichen Strecke ein Aussichtspunkt gelegen hätte. Um den war es dann vielleicht doch schade – aber in dem Moment wäre es das nicht wert gewesen.) Langsam tun mir die Füße wieder ziemlich weh und wacher sind meine Beine auch nicht gerade geworden. Also trotten wir neben der Landstraße entlang. Ich habe „Johnny I hardly knew ya“ im Ohr und gehe im Rhythmus. Marschmusik (bzw. derartig angehauchte Lieder) hat wohl doch was für sich.

Als wir in Zemmer ankommen, ist klar: Die Tour ist zu Ende. Areks Hüftprobleme von gestern Abend haben sich verschlimmert, er kann nicht mehr weiter. Ich würde zwar vielleicht noch die Etappe schaffen, aber ich bezweifle, ob ich dann morgen noch weit kommen würde. Also geben wir auf, bevor auf unseren Gräbern zu lesen steht „Sie sind bis zum Letzten gegangen.“ Außerdem soll das hier Urlaub und Spaß sein, und das ist es so nicht mehr. Eine halbe Stunde später fährt ein Bus nach Trier, der ist unser. Sogar Felix sieht aus, als sei er froh, nicht länger am Rucksack hin und her geschaukelt zu werden.

In Trier stehen Dusche, frische Klamotten und ein Eisbecher auf dem Schonprogramm. Zwischendurch stelle ich fest, warum mir die Füße weh getan haben: Ich habe es geschafft, mir unter jedem Fußballen eine Blase zu laufen. Autsch. Ich schreibe Blasenpflaster auf den imaginären Einkaufszettel und „erholen und abhängen“ auf die ebensolche To-Do-Liste. Mit einem gemütlichen Grillabend lassen wir den Tag ausklingen.

09.09.09

Eifelsteig, Tag 1: Sag mir, wo die Schilder sind

Am nächsten Morgen kommen wir tatsächlich halbwegs früh aus den Betten und wandern los. Erin und ich verabschieden uns stilecht mich dem Frodo- / Gandalf-Zitat aus FotR. „Es ist eine gefährliche Sache, Frodo Beutlin, aus deiner Tür hinaus zu gehen; denn wenn du nicht auf deine Füße acht gibst, dann kannst du nicht wissen, wohin sie dich tragen.“

Erstmal geht es – mit freundlicher Unterstützung des Trierer ÖPNVs – zur Porta Nigra, von da an wird gewandert. Erstmal durch die Stadt, immer den Touris entgegen. Dann hoch zur FH – der erste Anstieg des Tages, der uns schon mal auf den weiteren Verlauf des Tages einstimmt. In mehrfacher Hinsicht, denn kurz nach der FH schaffen wir es dann auch, uns zum ersten Mal zu verlaufen. Weil die Ausschilderung plötzlich aufhört und der Weg sich gabelt. WTF? Geht den Eifelsteig, haben sie gesagt. Der ist gut ausgeschildert, haben sie gesagt. Ihr mich auch. Zum Glück sind hilfsbereite Jogger, Walker und Spazierengeher unterwegs, die uns den Weg weisen. Es geht – welch Überraschung – bergauf. Ich habe den Fehler gemacht, die winddichte, komplett nicht atmungsaktive Fleecejacke anzuziehen, und werde gekocht.
Als wir oben angekommen sind, geht es quasi den Bergkamm entlang bis Biewer, mit durchaus netten Ausblicken auf Trier zwischendurch.


In Biewer versuchen wir, Areks Wanderführer rückwärts zu folgen (Warum zur Hölle laufen sämtliche Wanderbeschreibungen von Aachen nach Trier?) und bewundern nebenbei die örtliche Kirche, neben der ein Info-Schild über den Jakobsweg steht, der hier parallel zum Eifelsteig verläuft. Irgendwann sind wir zu zwei Dritteln durch den Ort und sehen immer noch kein Schild. Als wir hilflos mit Wanderführer und Karte hantieren, hält ein älterer Herr neben uns an. Nach kurzem Gespräch ist er relativ sicher, wo wir hin wollen und erklärt uns den Weg: Die Gasse dort vorn links hoch und oben eine kleine Stichstraße rein. Da würden wir auf ein Kapellchen treffen und etwas später auf den Wanderweg. Ja denn.

Wir irren etwa eine Stunde auf und ab durch ein am Berghang liegendes Wohngebiet. Bei sengender Mittagssonne, auf der Suche nach den im Wanderführer beschriebenen unebenen steilen Treppen, die zum Wald führen. Nichts. Als wir einen letzten, verzweifelten Blick in den Wanderführer werfen, sehe ich das Kirchensymbol auf der Ortskarte. Und den Wanderweg, der davor abbiegt. „Wir hätten vor der Kirche ab gemusst.“ Deeeeeeh. Kehrt marsch, an der Kirche vorbei – da ist der Weg. Mit Schild. Und mit steilen, unebenen Treppen. Es ist dieser Moment, in dem Verzweiflung in irres Kichern umschlägt.


… Kichern, das uns schnell vergeht, denn was folgt ist die Übung „Wie schaffe ich ca. 100 Höhenmeter in ca. 3 Minuten?“. Falls sich jemals wer gefragt hat, woher Tolkiens Inspiration für die Treppen zu Krankras Lauer kam: Biewer dürfte in der engeren Auswahl sein.

Weiter geht es erstmal ohne größere Steigungen auf einem Hochplateau. Weiden, Apfelbäume, Idylle. Und ein anderer Wanderweg, der über Biewer auf unseren trifft. Wahrscheinlich der, zu dem uns der ältere Herr schicken wollte. Whatever. Ab jetzt werden wir auf Schilder achten, aber so was von.

Ab hier wird die Ausschilderung aber auch besser. Wir wandern ein Weilchen flott weiter, unterqueren eine größere Straße und stehen anschließend schon in dem Gebiet, zu dem das Butzerbachtal gehört. Bis zu dem haben wir noch ein Stück, aber etwa die Hälfte der Tagesetappe haben wir hinter uns. Zeit für eine gemütliche Picknickpause.

Von hier aus kenne ich die Strecke vage. Wir erreichen die Genovevahöhle, die wir – nachdem wir nach dem Anstieg wieder zu Atem gekommen sind – ausgiebig bestaunen.




An der Klausnerhöhle wenig später kann ich mir beim Durchlesen der Infotafel eine grinsende Bemerkung über typisch deutsche „Wir gründen erstmal ein Gremium“-Mentalität nicht verkneifen. Wenn da halt auch steht, dass es Beauftragte für Eremiten gab! *fuchtel* Ein aus dem Ei gepellter Herr mittleren Alters (wieso sind wir eigentlich die einzigen, die ständig verschwitzt und aus der Puste sind?) fühlt sich daraufhin zu einer Diskussion herausgefordert. Ob mich der Satz auf der Infotafel etwa störe? Ich unterdrücke ein Augenrollen und versuche, diplomatisch zu sein.

Nach etwa einer weiteren Stunde erreichen wir die Abzweigung zur Burg Ramstein. Wir geben der Versuchung nach, machen den kleinen Schlenker und belohnen uns für die bisherige Anstrengung mit einer ausgewogenen, Energie spendenden Mahlzeit – dreimal Pommes rot-weiß.

Der anschließende Schlenker durch das Butzerbachtal ist jeden einzelnen Zusatz-Kilometer wert. Die Wasserfälle sind zwar leider relativ ausgetrocknet, aber immer noch sehenswert. Ich bin zu faul, meine Kamera ständig aus dem Rucksack zu holen (note to self: Kameratasche kaufen) und reiche daher an dieser Stelle Bilder vom Frühling 2008. Denkt euch einfach ein paar mehr Blätter an die Bäume.




Wir WTF-en noch ein wenig über Leute, die versucht haben, den Weg mit einem Kinderwagen zu gehen, dann kommen wir unterhalb der Burg Ramstein wieder aus dem Wald. Links des dort gelegenen Parkplatzes geht ein winziger Trampelpfad den Berg hoch. „Der Eifelsteig geht jetzt da links hoch.“ – „Ja genau. *grins* – „Das war kein Scherz“ *schild zeig* There is no WTF strong enough for this. Ich habe keine Ahnung von Steigungen, aber die folgenden etwa 150 Meter sind STEIL. Es ist ekelhaft anstrengend, den Berg hoch zu kraxeln, trotzdem bin ich mehr als dankbar, dass wir den Weg nicht anders rum gehen und hier runter müssen. Daran, Fotos zu machen, denke ich leider erst am Hang, so dass kein Vergleich zu ebener Erde mit auf dem Bild ist. Und das alles komplett unspektakulär aussieht. Pfah. Wir wissen, dass es anders war!


Der Rest der Etappe geht in vergleichsweise sanften Steigungen und Gefällen bis nach Kordel. Zwischendurch wandern wir neben einer Straße entlang. Leute haben Müll über die Leitplanke geworfen. „In aller Heimlichkeit wurden diese Müllsäcke im Schein des Mondes an der Straße ausgesetzt.“ – „Einsam verendet der Müll am Straßenrand.“ – „Hätte man ihn rechtzeitig gefunden, hätte man ihn vielleicht noch recyceln können.“

Das letzte Stück runter nach Kordel ist ein ca. 15cm breiter Trampelpfad durch Wald und Wiese, dann sind wir im Ort. Teerstraße. Häuser. Zivilisation. Und der Bahnhof in der Nähe. Wir verabschieden Erin, die die weiteren Etappen leider nicht mitgehen kann, und suchen anschließend unsere Pension, die zum Glück recht nahe ist. Nach einem langen Wandertag freut man sich über Kleinigkeiten. Bereitliegende Handtücher. Frische Socken.

Und einen Italiener gleich um die Ecke, bei dem wir nach einer kurzen Dusche und einem „Ich will aber nicht noch mal Schuhe anziehen und laufen!“-Anfall zu Abend essen. Arek bestellt Gnocchi, ich Salat. Weil hinterher noch Tiramisu reinpassen soll. Beim Essen nervt uns eine hartnäckige Fliege. „Das ist doch nicht die ganze Zeit die Gleiche. So hartnäckig kann die nicht sein.“ – „Nein, die wechseln sich ab.“ – „Fliegender Wechsel.“ … Ja, die Witze werden flacher. Kurz darauf stellt sich raus, dass das Tiramisu leider gerade aus ist. Blöööööd.

Als wir kurze Zeit später wieder aufs Zimmer kommen, fallen wir mehr oder minder mit dem Gesicht voran ins Bett. Vielleicht waren 18 bergige Kilometer für eine erste Etappe doch etwas lang. Auf jeden Fall sind wir beide völlig müde, Arek hat Probleme mit der Hüfte, ich habe eine Blase am großen Zeh und schmerzende Fußballen. Und Druckstellen vom Hüftgurt. Der trotzdem große Liebe ist. Genau wie der Wanderstab (wer als erstes blöde Witze macht, läuft die Treppen in Biewer dreimal hoch und runter), den mir Erin und Arek geliehen haben.

Felix macht noch ein paar Notizen fürs Blog.

Urlaub Teil 1: Trier und Manderscheid

An meinem ersten Urlaubstag stehe ich gegen halb acht auf. Man hat ja schließlich ein Stück Autofahrt vor sich. Tatsächlich schaffe ich es ausnahmsweise, pünktlich loszufahren, und bin knapp neuneinhalb Stunden später am frühen Abend in Trier, wo ich mir schwöre, das nächste Mal Bahn zu fahren.

Frauke wartet schon auf mich und wir starten in einem schönen Abend. Leckeres Essen in der Kartoffelkiste, anschließend noch ein wenig Abhängen im Irish Pub, und zum Ausklang des Abends „Bridget Jones“ auf Englisch. Colin Firth’ Stimme ist immer noch toll. *schmacht* Ansonsten ein rundum gelungener Mädelsabend, an dem wir uns viel zu erzählen haben und alte Zeiten wieder aufleben lassen. Die ersten der vielen „Ich will wieder nach Trier“-Momente des Urlaubs.

Am nächsten Morgen suchen wir ein Café, um gemütlich zu frühstücken, und landen mangels Alternativen schließlich im Bahnhof. Auch okay, die Brötchen sind groß und lecker. Der Kunde vor uns erinnert mich mit seinem „Zwei von denen da zum Mitholen“ daran, warum ich mich mit dem Trierer Dialekt noch nie anfreunden konnte. *grusel*

Anschließend fahre ich an die Uni, um noch kurz ein paar Bewerbungsdinge zu tun. Natürlich schlägt Murphy zu. Das Bib-Hauptgebäude hat zu, ich erwische den langsamsten PC auf dem Campus, und als ich vor dem Briefmarkenautomaten stehe, stelle ich fest, dass ich kein Kleingeld mehr habe. Als ich endlich alles irgendwie erledigt habe, ist es viel später als geplant und ich spare mir den Ausflug zum Tanken. Stattdessen geht es gleich zu Erin und Arek, bei denen ich mich für die folgende Nacht einquartiere und die morgen früh mit mir loswandern werden.

Erstmal geht es aber zum Manderscheider Burgenfest. Das war vor drei Jahren der erste Mittelaltermarkt, auf dem ich war. Damals. Hach. Als ich zwei Stunden vorher meine Gewandung „fertig“ geklöppelt hatte. Dieses Mal muss ich mich nur in Klamotte schmeißen. Der Markt und die Burg wissen mal wieder zu begeistern, wir stöbern durch die Stände und setzen uns anschließend ins Gras, um einem Workshop im historischen Tanzen zuzusehen. Hach, Nostalgie. Wie sie alle wirr durcheinander laufen! Genau wie wir am Anfang. Helen und ich kramen zur zusätzlichen Beschäftigung die Spindeln raus. Und sehen uns plötzlich zum beliebten Foto-Motiv mutiert. Und zur Gefahr für die öffentliche (Tritt-) Sicherheit, weil wir neben einer unebenen, in den Berg gehauenen Treppe sitzen und die Leute verführen, zur Seite statt auf den Weg zu schauen. Whooops. (Auf der - zumindest soweit ich das erkenne - zeitlich völlig ungeordneten Fotostrecke des TV habe ich uns beim sporadischen Durchklicken bislang nicht entdeckt. Dafür eine andere Spinnerin. *g*)

Viel zu schnell wird es Abend und wir müssen wieder nach Trier, um Verabredungen einzuhalten. Ich für meinen Teil habe eine mit Andy, mit dem ich mich zu einem gemütlichen Essen treffe und einen vergnüglichen, aber zu kurzen Abend verbringe. Das Astarix, auf das unsere Wahl fällt, hat indisch angehauchte Dinge auf der Saisonkarte. Yummie.

Auf dem Heimweg schaffe ich es, an meiner Bushaltestelle vorbei zu fahren und das erst zu bemerken, als wir ca. drei Stationen weiter an der Endhaltestelle sind und der Fahrer mich fragt, wo ich denn bitte hinwolle. Weil der Bus auf dem Hinweg ca. 20 Minuten von Erin und Arek bis in die Stadt gebraucht hat, auf dem Rückweg aber nur noch ca. 15 Minuten bis zum Ende der Linie. Seeeeltsam. Zum Glück ist der Fahrer nett und nimmt mich noch ein Stück mit zurück.

Altweibersommer


Ich mag die Jahreszeit gerade. Es ist nicht mehr schwül und brütend heiß, aber schön warm. Und morgens duftet die Luft geradezu nach Frühherbst, wenn ich aus dem Haus gehe. Nach morgendlichem Nebel und Erntezeit. Okay, hier in Berlin etwas überlagert von Abgasen. Aber! In meiner Vorstellung ist diese charakteristische, kalt-klare Morgenluft nun mal duftend. Lasst mich halt.

Auf jeden Fall hat sich das Wetter damit meinem Unterbewusstsein angepasst, das dem Jahreskreislauf offenbar etwa um zwei Wochen voraus ist und mir seit etwa dieser Zeit passende Ohrwürmer beschert. Quasi abwechselnd "Bunt sind schon die Wälder" und "He-Ho, spann den Wagen an". Letzteres haben wir dann gestern prompt zum Einsingen im Chor geträllert. Im Kanon. Thiii!

Ansonsten als Vorankündigung: Ich werde über meinen Urlaub bloggen. Bald. Beware!