23.08.09

Sometimes I give myself the creeps *sing*


Irgendwie mache ich mir gerade Angst. So viel (Heim-) Weibchenhaftigkeit bin ich an mir nämlich nicht gewöhnt, wie ich sie im Moment an den Tag lege. Es begann am Freitag nach Feierabend, als ich ein neues Nadelspiel kaufen gefahren bin und anschließend gestrickt habe. Gestern bestand dann der Vormittag und frühe Nachmittag daraus, dass ich mein Zimmer und das Bad geputzt habe, einkaufen war, eine Ladung Wäsche in der Maschine hatte, lecker Mittagessen gekocht und einen Pflaumenkuchen gebacken habe. (Waaah, ich muss das improvisierte Rezept noch notieren, sonst krieg ich den nicht wieder hin und das wär schade.)

Und was hab ich anschließend den Rest des Tages getan, als Ausgleich zu so viel Heimweibchen-Kram? Genau. Stricken. Vom nächsten Tanz-UT träumen, mit schönen Kleidern und ständigem Knicksen und hach. Und faul in der Sonne sitzen und lesen, aber das gar nicht mal so viel. Naja, dachte ich mir, dafür gibt’s halt heute Ausgleich.

Okay, den Ausgleich gab es insofern, als dass ich erstmal Bewegungsdrang hatte und eine Runde joggen war. (Muss mir den Tag noch rot im Kalender anstreichen. Ich, joggen und freiwillig. Vorm Frühstück. Das kommt alle zwei Jahre vor, so in etwa. Nein, ich übertreibe nicht.) Aber danach? Habe ich ein mehdchenhaftes Beauty-Programm im Bad gestartet. Und überlege jetzt, ob ich meinem Verstand nachgebe, der wild fuchtelt und was von schönem Wetter und „die letzten Sommertage nutzen“ sagt und mich irgendwo zum Wandern schicken will. Oder doch lieber dem Weibchen-Anfall, der sehnsüchtig in Richtung Nähmaschine schielt.

Oh, und wer denkt, wenigstens nachts würde ich normal und ruhig schlafen: Nope. An viel kann ich mich nicht erinnern, aber im Traum kam eindeutig eine Art Larp-Rallye vor. Oder ein Rallye-Larp. Mit einem Kerl in meinem Team, der aussah wie David Wenham in jünger, gemischt mit dem Ritter, der neulich auf dem Markt zu Henekendorp mit mir übers Brettchenweben gefachsimpelt hat. Und charmant war. (Also, der im Traum. Wobei, der Ritter neulich auch.) Und vergeben, aber schmachten ist ja erlaubt. Und er hat mich heldenhaft in den Wald begleitet, um mich zu beschützen, als ich irgendwelchen Blödsinn gebaut hatte und zurückgehen musste. Weil man doch keine hilflose Frau allein in den bösen Wald gehen lassen kann. Hach. Mein Held. (Dass er gut dabei aussah, erwähnte ich? … Just checking.)

Ich habe das überdeutliche Gefühl, ich sollte mit meinem Unterbewusstsein und meinen Hormonen mal ein ernstes Wort reden. Und jetzt rausgehen, die letzten Sommertage genießen.

09.08.09

Do I look like a guy with a plan?

Hm. Nö. Nicht wirklich. Weder Guy noch Plan. Aber egal. Eigentlich wollte ich ja schließlich einfach nur erzählen, dass ich am Mittwoch „The Dark Knight“ gesehen habe. Im Freiluftkino Kreuzberg. Ich bin ja so gaaar nicht der Mensch für Comic-Verfilmungen. Hab ich je schon eine gesehen? So richtig gesehen, nicht nur „ich brauch was nebenher beim Handarbeiten, zappe wild rum und weil alles andere noch schlimmer ist, lande ich halt dabei“? Ich glaube nein. Aber „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ wurden von Leuten ™ hoch gelobt und ich hatte gerade Lust drauf. Zumal Rareb ja letztes Jahr, als der Film aktuell war, schon mal eine Rezension gepostet hatte, die mich neugierig gemacht hatte, weil der Film vielleicht doch etwas mehr Tiefgang haben könnte, als ich ihm so auf Anhieb zugetraut hätte. Also in gewisser Weise siegte meine experimentelle Neugierde. *g*

Was soll ich sagen – der Film war toll. Nicht immer, nicht durchgehend. Es gab Action-Sequenzen. So „wir machen einen Haufen Autos kaputt“-Szenen. Bei denen saß ich da wie das von Michael Mittermeier parodierte Klischee-Mehdchen. „Blöd.“ … „Blödblöd.“ … „Blöööhöööhöööd.“ – Aber das war doch relativ selten. Und der Rest des Films war echt sehenswert, auch wenn ich ab und zu leichte Verständnisschwierigkeiten hatte. (Peinlich, ich weiß. Aber auch nach dem Lancaster-Jahr kann ich undeutlich Englisch sprechende Schauspieler echt schlecht verstehen.)

Ich mag es ja, wenn Filme zum Nachdenken bringen und Fragen aufwerfen. Das tut „The Dark Knight“ auf jeden Fall, vor allem der Joker. Der war eh das Highlight des Films. Der-ma-ßen großartig gespielt! Aber auch die Rolle an sich schon. Allein die Zitate! Entschuldigt mich, ich muss mal kurz… *kram*


You know what I noticed? Nobody panics when things go "according to plan"…even
if the plan is horrifying. If tomorrow I tell the press that, like, a
gang-banger will get shot, or a truckload of soldiers will be blown up, nobody
panics...because it's all part of the plan. But when I say that one little old
mayor will die... well, then everyone loses their minds!

*schauder* Und schon sind wir mitten in einer Debatte um den Wert des menschlichen Lebens, um die Gleichheit aller Menschen etc. pp. Wie gesagt, ich mag solche Denkanstöße in Filmen – und davon hat „Batman Begins“ eine Menge. Über die Szene mit den Schiffen hat wahrscheinlich jeder geschrieben, der den Film rezensiert hat. Weil man im Sitz hängt und sich fragt – was würde ich tun? Was würde ich tun wollen? Was würde ich von der Gegenseite erwarten? Ein Gefangenendilemma par excellence, wenn man mal davon absieht, dass Gefangenendilemmata eigentlich vorsehen, dass es eine für beide Seiten positive Lösung gibt – und die hier ja vom Joker so nicht eingeplant ist – und trotzdem eintritt, weil er so sehr darauf gesetzt hatte, dass er gar nicht eingreifen würde eingreifen müssen.

Aber auch wenn diese Szene gut ausgeht, zeigt der Film, wie dünn die zivilisierte Oberfläche der Gesellschaft ist. Um noch mal den Joker zu zitieren:

„When the chips are down, these, uh, these "civilized people"...they'll eat each
other.”

Und wirklich Unrecht hat er damit wohl leider nicht. Als der Joker androht, ein Krankenhaus zu sprengen, wenn nicht … äh, war das der Bürgermeister oder so? Egal, wenn halt jemand bestimmtes in einer Stunde noch am Leben ist – wie lange dauert es unter diesen Bedingungen, bis Passanten auf ihn schießen? Zwei Minuten? Und wieder die Frage: Was würde ich tun (wollen)? Die Szene und überhaupt Thema „Wie schnell sind Menschen bereit, grundsätzliche Normen zu überschreiten“ fand ich großartig. Was mich selbst ein bisschen erstaunt, denn das einzige Mal, dass ich mich bisher etwas näher damit befasst habe, war im Englischunterricht der 11. Klasse, als wir „Lord of the Flies“ lesen mussten. Furchtbarstes Buch ever. Nervtötende Charas, die Botschaft, dass Menschen triebgesteuert und böse sind, (damals) ziemlich schwieriges Englisch und das noch bei einer Lehrerin, die ich nicht besonders mochte. Eine Kombi, wie sie blöder kaum hätte sein können. Aber hier im Film hat das „was wäre wenn“-Spielchen plötzlich gepasst und mich völlig fasziniert.

Daneben stellt die Szene ja noch eine zweite Frage: Darf man einen Menschen töten, um andere zu retten? Soll, muss man es sogar? Und wie so ziemlich jeder, der den Film sieht und kommentiert, komme auch ich nicht darum herum, an die nach 9/11 entstandene Diskussion um das Abschießen von Flugzeugen zu denken und sie hier zu erwähnen. Würde mich mal interessieren, ob das eine Erfindung der Drehbuchautoren war oder ob der Joker die Taktik schon in einem vor 9/11 entstandenen Comic fährt.

Auf jeden Fall hat der Abend mal wieder gezeigt, dass die besten Filme fast immer die sind, die gut unterhalten und gleichzeitig Fragen aufwerfen, über die man noch ein Weilchen länger nachdenkt. Vielleicht sollte ich einfach öfter mal auf gewisse Leute hören und Filme / Serien angucken, die in der Hinsicht toll sein sollen, obwohl ich bisher keinerlei Interesse am Genre hatte. Babylon 5 wär so’n Kandidat, hab ich das Gefühl.

Wer übrigens zum Film, zur Figur des Jokers und zu dem ganzen moralisch-philosophischen Inhalt weiterlesen will, diese Rezension im Tagesspiegel hat mir sehr gut gefallen.

So, und jetzt geh ich ins Bett. Schließlich will ich morgen früh aufstehen und zum Müggelsee radeln. Weshalb ich eigentlich vor ner Stunde schlafen gehen wollte. Aber da waren eh noch Dinge im Backofen.